Theater

Jochen Sandig im Interview

RADIALSYSTEM_Vtip: Herzlichen Glückwunsch zum 5. Geburtstag des Radialsystems. Wie geht es Ihnen 5 Jahre nach der Gründung?
Jochen Sandig: Wir konnten das Radialsystem als einen der wichtigen neuen Kulturorte Berlins etablieren. Die Künstler lieben das Haus und unser Programm findet ein neugieriges Publikum. Gerade zeigte Meg Stuart beim Tanz im August unsere erste gemeinsame Koproduktion und war vom Haus und seinen technischen Möglichkeiten begeistert. Wir sind sehr glücklich, wenn wir zurückschauen, es war ein langer Weg, aber wir spüren auch die Kraft und Energie, die das gekostet hat.

tip: Zum Konzept gehört, dass sich das Radialsystem durch kommerzielle Vermietungen, etwa für Kongresse oder Veranstaltungen von Unternehmen, finanziert. Ist das aufgegangen?
Sandig: Ja. Zum Beispiel hat inzwischen fast jedes Bundesministerium bei uns Veranstaltungen gemacht. Uns war von Anfang an klar, dass wir uns alleine über die künstlerische Nutzung nicht finanzieren können. Im künstlerischen Bereich teilen wir uns mit den Künstlern die Kosten und die Risiken. Und da sind wir, verglichen mit subventionierten Spielstätten und Theatern, nicht wettbewerbsfähig, das muss man ganz klar sagen. An diesem Punkt sind wir in einer schwierigen Situation. Da muss die Politik eine Korrektur vornehmen. Was ich mir nach 5 Jahren Radialsystem wünsche, ist ein „Ende vom Anfang“, es muss jetzt eine neue Phase beginnen. Folkert Uhde und ich würden uns gerne stärker auf die künstlerischen Inhalte als auf die Existenzsicherung konzentrieren.

tip: Ist das Radialsystem in der jetzigen Struktur überlebensfähig?
Sandig: Im laufenden Betrieb sind wir finanziell ausbalanciert, wir sind nicht existenziell gefährdet. Das ist eine gute Nachricht und alles andere als selbstverständlich. Wir haben ein wunderbares Team, wir finanzieren 25 feste und etwa 40 freie Mitarbeiter. Wir arbeiten sehr effizient. Aber um das künstlerische Programm auch qualitativ weiter ausbauen zu können, brauchen wir eine Unterstützung aus öffentlicher Hand.

tip: Woher soll das Land Berlin die Subventionen für Ihr Haus nehmen?
Sandig: Berlin braucht eine Kulturtaxe. Viele Touristen kommen wegen des Kulturangebots nach Berlin. Bei 20 Millionen Hotelübernachtungen im Jahr könnten bei nur 2 Euro Kulturtaxe 40 Millionen Euro frisches Geld in einen „Innovationsfonds Kultur und Kreativwirtschaft“ fließen.

Interview: PL

Foto: Sebastian Bolesch

5 Jahre Radialsystem – Geburtstagsfest Radialsystem, Fr 9.9., 21.00 Uhr, Karten 10 Ђ, Karten-Tel. 288 788 588

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