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Johannas Darkroom: „Die Jungfrau von Orleans“ am Deutschen Theater

DieJungfrauVonOrleans_c_ArnoDeclairMichael Thalheimer hat für seine „Jungfrau von Orleans“ am Deutschen Theater eine zentrale Idee, um Schillers mittlerweile eher selten gespielten Heroinnen-Klassiker zu deuten: Das ist alles ein Traum der somnambulen Jungfrau, all die französischen und englischen Ritter und Könige, deren Kriegsglück Johanna, die reine, religiös entrückte und verzückte Jungfrau, entscheidend wendet, nur um am Ende, verlassen vom religiösen Wahn-Zauber, in einer pathetischen Apotheose auf dem Schlachtfeld des Krieges (und heimlich auch: der Liebe) zu fallen. Kathleen Morgeneyer muss als Unschuld vom Lande wie im Wachtraum im Lichtkegel stillstehen. Das macht sie sehr konzentriert und überzeugend, ohne die Figur zu verkitschen oder zu denunzieren, während die Herren Krieger im Halb- oder Ganzschatten Schiller-Verse mal aufsagen, mal schmettern oder – Symbol! Symbol! – das jungfräuliche Weiß von Johannas Nachthemd kunstfertig mit Blut bespritzen. Thalheimer setzt konsequent und sympathischerweise, ohne in die beliebten und gefälligen Ironiefallen auszuweichen, auf schwere Pathosformeln, harte Licht-Schatten-Effekte, feierlich ausgestellte Rampensteher, ohne dass sich dem an der Klassikerpflege als Selbstzweck weniger interessierten Zuschauer die zwingende Notwendigkeit der Veranstaltung unmittelbar erschließen würde.

Text: Peter Laudenbach

Foto: Arno Declair

tip-Bewertung: Zwiespältig

Die Jungfrau von Orleans Deutsches Theater,  Di 15.–Do 17.10., 19.30 Uhr, Karten-Tel. 28 44 12 25

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