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Jossi Wielers Jelinek-Inszenierung Rechnitz (Der Würgeengel) kommt ins HAU

RechnitzElfriede Jelinek rekonstruiert den his­torischen Fall nicht, sondern lässt ihn, gekleidet in die Form eines wild assoziierenden, sich windenden und widersprechenden Botenberichts, sprachlawinenartig über uns hereinbrechen. In den Geröllmassen des Textes offenbaren sich, Schicht um Schicht, nicht nur die Abgründe unseres Sprechens und beredeten Verschweigens, sondern auch die Fallgruben jeglicher (auch noch so gut gemeinter) Erinnerungs­arbeit.

Der Regisseur Jossi Wieler, ein Jelinek-Spezialist, hat das 100 Seiten starke Textkonvolut an den Münchner Kammerspielen inszeniert. Er verteilt den Text in klug kondensierter Form auf fünf großartige Schauspieler: zwei Frauen (Hildegard Schmahl, Katja Bürkle), drei Männer (Andrй Jung, Hans Kremer, Steven Scharf), die als gefräßige „Boten“ in Abendgarderobe die Gräuel der Vergangenheit rhetorisch umtänzeln und sich dabei lüstern an die Wäsche gehen. Wieler inszeniert an diesem scham- und gnadenlosen Gute-Laune-Abend nicht nur die Banalität, sondern auch die Obszönität des Bösen. Es ist ein frivoler, Zähne blecken­der danse macabre, in seiner Wirkung zutiefst beklemmend.

Text: Christine Dössel

Rechnitz (Der Würgeengel) HAU 1, Stresemannstraße 29, Kreuzberg, Mo 11., Di 12.5., 19.30 Uhr

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