Theater

„Judith“ in den DT-Kammerspielen

JudithZu Beginn von Andreas Kriegenburgs Inszenierung von Friedrich Hebbels „Judith“ an den DT-Kammerspielen wird eine Diashow auf die Bühne projiziert. Man sieht Bilder aus dem aktuellen Kriegsgeschehen, Flüchtlingslager, Klagemauer, das World Trade Center. Den damit wagemutig erhobenen Anspruch, irgendetwas zu realen Gewaltkonflikten mitzuteilen zu haben, kann die Inszenierung in keiner Minute einlösen. Hebbels Pathetisierung des biblischen „Judith“-Stoffes übersetzt Kriegenburg in einen konfusen Spätexpressionismus mit symbolschwer weiß und schwarz angemalten Gesichtern. Die bedauernswerten Schauspieler finden kein Verhältnis zu ihren Figuren und retten sich in lauter viel zu große Gesten und feierliches Dröhnen. Mindestens so peinlich wie die Kraftmeiereien sind die Elendsszenen wenn die belagerten Hebräer ihr Leid beklagen. Zu diesem Zweck zerren sie in einer Mischung aus Eurythmie und Ausdruckstanz an einem großen Tuch und schneiden dazu Grimassen. Ein Höhepunkt an unfreiwilliger Komik ist erreicht, wenn Judith (Katharina-Marie Schubert) und Holofernes (Alexander Khuon) munter über eine Pampe aus Farbe, Wasser und Schweiß rutschen, was vermutlich sexuelle Leidenschaft ausdrücken soll.

Text: Peter Laudenbach

Foto: Arno Declair

tip-Bewertung: Ärgerlich

Judith
DT-Kammerspiele, 11., 17.4., 20 Uhr

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