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Kafkas „Der Prozess“ am BE

Der Prozess

Franz Kafkas Roman „Der Prozess“ handelt von der bürokratischen Maschinerie, die, wie früher in den antiken Tragödien das Schicksal, den Einzelnen zerstört.
In der Moderne geschieht das bekanntlich auf dem Verwaltungswege und wohlgeordnet nach Dienstvorschrift. In dieser Hinwendung zur Bürokratie muss man Claus Peymanns Inszenierung am Berliner Ensemble als vorbildlich werkgetreu bezeichnen: Mit der Sorgfalt eines Uhrwerks, mit der in Kafkas Roman eine undurchsichtige Justiz den Angeklagten Frank K. (Veit Schubert) in ihr Räderwerk zieht, zerlegt Peymanns Regie nicht nur den Angeklagten, sondern gleich das gesamte Roman-Personal und Kafkas Kunst.
Im BE-üblichen Märchenstil der Überdeutlichkeit, in der das Gesagte gerne recht ausdrücklich szenisch verdoppelt wird, als sei das Publikum so begriffsstutzig wie der Regisseur, illustriert Peymann die Romanhandlung. Weil man nicht weiß, welche Stunde es für den bedauernswerten Angeklagten geschlagen bat, zucken die Zeiger der über der Szene baumelnden Bahnhofsuhr so nervös wie orientierungslos, aber natürlich sehr bedeutungsschwer (Bühne: Achim Freyer). Die Nebelmaschine hat ordentlich zu tun, das soll vermutlich für eine diffus kafkaeske Atmosphäre sorgen.
Veit Schubert ist als Angeklagter K. das grimassierende Zentrum von Peymanns leer laufenden Bild-Arrangements, Jürgen Holtz ist ein gespenstischer Geschichtenerzähler, aber auch er kann den so zähen wie kunstgewerblich aufgeblasenen Abend nicht retten.        

Text: Peter Laudenbach

Foto: Lucie Jansch

tip-Bewertung: Uninteressant

Der Prozess im Berliner Ensemble, Bertolt-Brecht-Platz 1, Mitte, ?Mi 09.07., 20 Uhr, 5–30 Euro, Karten-Tel. 28 40 81 55

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