Theater

Kantine: Satanische Werbung

Es kommt nicht oft vor, dass sich von dpa bis spiegelonline und der „Süddeutschen Zeitung“ die großen Medien für das kleine Theater in Potsdam interessieren. Aber Ende März schafften es die Potsdamer, schon im Vorfeld einer Premiere für Aufmerksamkeit zu sorgen. Es genügte, eine Theateradaption von Salman Rushdies Roman „Satanische Verse“ (Foto) anzukündigen. Rushdies Roman ist bei Islamisten nicht besonders beliebt, angeblich verunglimpft der Roman den Propheten. 1989 belegte der iranische Staatschef Ayatollah Khomeini den Schriftsteller mit einer Fatwa, ein barbarischer Akt, mit dem Muslime in aller Welt zur Tötung Rushdies aufgefordert wurden.

Prompt vermuteten die zuständigen Stellen, dass auch die Theaterpremiere gefährlich werden könnte. Die Sicherheitsbehörden kündigten an, die Polizei werde am Tag der Premiere verstärkte Präsenz zeigen, sowohl in der Nähe des Theaters wie im gesamten Stadtgebiet. Spätestens zu diesem Zeitpunkt wachte die dpa auf, die Theaterredakteure in den Feuilletons des Landes seufzten tief und wussten, dass sie jetzt wohl nicht um eine Reise nach Potsdam herumkommen würden.

Die Skandalerwartung, die von keinerlei konkreten Anhaltspunkten genährte Vermutung, durchgeknallte Islamisten könnten ihrerseits mit dem ihnen eigenen Feingefühl auf die Theaterpremiere reagieren, genügte, um den Adrenalinpegel nach oben zu treiben. Eine bessere PR hätte sich das kleine Theater nicht wünschen können. Die Angstlust, die Spekulation auf Aktionen durchgedrehter Islamisten genügte, um die Medienmaschinerie anzuwerfen. Es war eine Selbsterregung, die keinen Anlass braucht, um den Skandal zu wittern.
Es gibt vermutlich gute Gründe, Rushdies Roman zu inszenieren. Das künstlerische Ergebnis können wir nicht beurteilen, die Premiere fand nach unserem Redaktionsschluss statt. Sicher ging es den Potsdamern vor allem darum, gutes Theater mit einem spannenden Stoff zu machen. Aber das vorhersehbare Spiel mit den Erregungskurven ist nicht frei von Kalkül. Wenn demnächst irgendein kleines Theater in der Provinz in die Medien will, kann es ja einfach mal einen Theaterabend mit dem Titel „Allah ist doof“ ansetzen. Irgendwer wird sich garantiert darüber aufregen.

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