Theater

Katharina Thalbach im Gespräch

Katharina_Thalbachtip: Frau Thalbach, für die ersten Berliner Seefestspiele im Strandbad Wannsee inszenieren Sie „Die Zauberflöte“ – allerdings nicht wie geplant auf einer Wasserbühne, sondern auf einer Bühne am Ufer. Was reizt Sie an Mozart am Wasser?

Katharina Thalbach: Das Abenteuer. Als mir das angeboten wurde, dachte ich: Holla, das kann ja spannend werden.
Was wird denn abenteuerlich??Ich kann so viele Dinge nicht vorhersehen. Im normalen Opernbetrieb habe ich eine Bauprobe und kann die Dimensionen abschätzen, das ist hier alles nicht gegeben. Wir probieren im Moment in einer zauberhaften Turnhalle, in einem Rumpfstück des Bühnenbildes. Draußen steht das später im Freien. Wer weiß, was der Wind mit uns macht? Das erlebe ich alles zum ersten Mal Anfang August. Das Überraschungs-Ei ist riesengroß!

tip: Ihr Bühnenbildner Momme Röhrbein hat eine riesige Pyramide gebaut, es wird einen Video-Vulkanausbruch geben, die Königin der Nacht trägt Flügel – alles ein großes Spektakel?

Katharina Thalbach: Ich hoffe schon, dass wir die Geschichte erzählen können. Aber ein bisschen was muss auch geboten werden. Das Problem ist ja, dass die Oper eigentlich durch die Nacht zur Sonne führt. Wenn wir anfangen, ist es aber noch hell. Da kann ich keine Lichteffekte machen, also muss die Königin sich halt anders bemerkbar machen. Sie kommt geflogen.

tip: Sie haben Mozart einen Pornografen genannt, dessen Papageno die ganze Oper über nur an das Eine denkt. Schlägt sich das in der Inszenierung nieder??

Katharina Thalbach: Nein, Papageno denkt nicht nur an das Eine. Er denkt an drei Sachen: ans Essen, ans Trinken und an das berühmte Dritte. Das macht das Leben ja im Grunde auch aus. Aber das Wort Pornograf bezieht sich auf die wunderbaren Briefe von Mozart, die sind ja mehr als deftig. Wenn man solche Briefe heute von Prominenten fände, würde man sagen: die alte Sau! Die Werbung hat das übrigens längst begriffen. Kürzlich habe ich so eine dämliche Werbung für Gleitmittel im Fernsehen gesehen, da singt die Königin der Nacht dazu. Ich dachte, ich spinne.

tip: Die Aufführung überschneidet sich anfangs mit dem normalen Badebetrieb. Die Königin der Nacht, umringt von Partyvolk??

Katharina Thalbach: Wir haben getrennte Eingänge. Aber vielleicht gibt es Zaungäste, mal sehen. Ich habe einmal in meinem Leben Freiluft inszeniert, in den Alpen, einen Schwank mit dem schönen Titel „Das sündige Dorf“. Da waren wir immer umringt von Gänsen und Schweinen, vielleicht sind es diesmal Leute in Badehosen. Das wird eine der Überraschungen!Interview:

Interview: Patrick Wildermann

Foto: Lutz Edelhoff

Die Zauberflöte Seebühne Wannsee, Do 11.8. (Premiere) bis Sa 13.8., 19.30 Uhr, So 14.8. + Do 18.8., 18.30 Uhr, www.seefestspiele-berlin.de

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