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Keith Warner inszeniert an der Deutschen Oper einen schwerfälligen Nabucco

Nabucco_c_BerndUhligVon Warner war kaum zu erwarten, dass sein „Nabucco“ an der Deutschen Oper anknüpfen könne an die große, konsequente Vorgänger-Produktion von Hans Neuenfels (die mit den Hornissen). Stattdessen sieht alles aus wie zur Zeit von Götz Friedrich und Günter Krämer. Ganz viele Stühle. Kostüme aus der Entstehungszeit der Komposition. Und eine dunkle, durch grelle Flutlicht-Kegel gestreifte Bühne.
Da die Deutsche Oper auch nicht genug Geld hat, um mit Star-Sängern zu prunken, stemmen sich alle nach Kräften durch die Partitur. Anna Smirnova (Abigaille) legt die vermeintliche Tochter des babylonischen Königs auf ein giftspritzendes Gorgonenhaupt fest. Was sie nicht schlecht kann! Johan Reuter – sympathisch als Nabucco – und Vitalij Kowaljow (Zaccaria) drehen auf bis zum Anschlag. Ähnlich der gepriesene Chor der Deutschen Oper, für den dieses Werk angesetzt wurde. Der junge, willige und unbekannte Dirigent Andrea Battistoni drosselt wenig. Dirigiert aber einen rhythmisch schlüssigen, sogar elastischen Verdi.

Dass die Premiere vom Publikum bejubelt wurde, zeigt die sittenverderbenden Folgen eines konservativen, mit Wagner-Phonstärken operierenden Verdi-Bildes. Der war viel leichter! Man hätte den Mut für ein unbekannteres Frühwerk wie „I Lombardi“ oder „Stiffelio“ aufbringen sollen. In Zeiten, in denen die freie Szene stranguliert wird, wirkt der Abend wie eine starrsinnige Behauptung des Status quo. Deutlicher ausgedrückt: die Produktion, trotz guter Sänger, ist rausgeschmissenes Geld.

Text: Kai Luehrs-Kaiser

Foto: Bernd Uhlig  

tip-Bewertung: Zwiespältig

Nabucco Deutsche Oper, Do 3.10, So 13.10, So 22.12, 18 Uhr, Sa 5.10., Di 8.10., Do 19.12., 19.30 Uhr

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