Tanz

„Khaos“ im HAU 2

Leben in der Turbulenzzone: Der Choreograf Laurent Chétouane bringt das „Khaos“ ins HAU 2. Fallende Körper fragen nach einer Vielheit möglicher Welten

Foto: Thomas Aurin
Foto: Thomas Aurin

Für den französischen Choreografen und ­Regisseur (und studierten Chemie-Ingenieur) Laurent Chétouane ist die Bühne immer auch ein Denk-Raum. Seine Arbeiten schaffen zwischen Tanz, Theater, Narration und Abstraktion mit analytischer Klarheit neue Verbindungen. Entsprechend untersucht seine neue Produktion „Khaos“, die jetzt ins HAU kommt, unterschiedliche Formen von Krisenzuständen – die Krise nicht als Ausnahme in einer ansonsten stabilen Ordnung, sondern als unvermeidlicher Normalfall der permanenten Transformation, in der wir leben. Das Gegenteil von Chaos wäre in dieser Perspektive nicht die Ordnung, sondern der Tod.
„Gegenwart heißt heute Krise. Chaos ist nicht nur Ausnahmezustand, sondern eine ambivalente, dauerhafte und verbindliche Zumutung“, sagt der Choreograf. Also erkundet er in „Khaos“ die beängstigenden und schöpferischen Potentiale eines unvermeidlichen Modells für die Zukunft: Wenn die Stabilität und der Glaube daran zur Fiktion geworden sind, gewöhnt man sich besser an das produktive Durcheinander und ein Leben und Denken ohne die Leitplanken alter Gewissheiten und beruhigender Sicherheiten.
Musikstücke von Bach, Rihm und Cage setzen in „Khaos“ vier Tänzer und drei Musiker Turbulenzzonen aus, in denen die traditionelle vertikale Achse des Tanzes ihre ordnende Kraft verliert: Fallende Körper fragen nach einer Vielheit möglicher Welten.
Dazu gibt es, wie im HAU üblich, avancierte Theorie: Vor der Vorstellung am 13. November findet eine mit dem französischen Philosophen Jean-Luc Nancy, dem Berliner Kulturwissenschaftler Joseph Vogl und der Tanz-Theoretikerin Gabriele Brandstetter prominent besetzte Debatte über (Des-)Orientierung statt.

Khaos im HAU 2 Fr 11., Sa 12.11., 20 Uhr, So 13.11., 20.30 Uhr, Eintritt 13,20–16,50, erm. 11 €

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