Kultur

Kiez-Monatsschau

Kiez-Monatsschau

Auch als gebürtiger Berliner kann man bei einer Stadtführung Dinge erfahren, die man nicht für möglich gehalten hat. Dies haben kürzlich Cindy, 17, Princess, 16, und Esther, 17, erlebt. Zusammen mit Sebastian Fleary, Karina Griffith und Amanda Mukasonga, drei Mitarbeitern des schwarzen Bildungsprojektes Each One Teach One (EOTO), sowie acht weiteren Berliner Jugendlichen besuchten sie in Erinnerung an die Berliner Konferenz vor 130 Jahren Orte, die etwas mit Kolonialismus zu tun haben: das Afrikanische Viertel im Wedding etwa, dessen Straßen nach einstigen deutschen Kolonien oder Kolonialherren benannt wurden.
Welche Fragen die Führung bei den Teenagern aufgeworfen hat und wen sie um Antworten gebeten haben, können Neugierige am 20. Februar während der Kiez-Monatsschau im Ballhaus Naunynstraße erfahren: Cindy, Princess, Esther und die anderen waren bei der Tour und anschließenden Recherchen mit Kameras und Mikrofonen ausgestattet und bringen jetzt ihre Eindrücke als Film­reportage auf die Leinwand. Es ist ein spezieller Blickwinkel, der da zu sehen sein wird. Denn im Unterschied zu“ vielen anderen, die glauben, der deutsche Kolonialismus sei für sie nicht wichtig, fühlen sich die drei jungen Frauen durchaus betroffen: Sie sind afro­deutsch und erleben auch selbst, wie sie sagen, in ihrem Alltag immer mal wieder Rassismus. Es ist eine Form von Diskriminierung, die sich vor allem in der Kolonial­zeit etabliert hat.
Bei der 2007 von Shermin Langhoff – inzwischen Intendantin beim Maxim Gorki Theater – aus der Taufe gehobenen Akademie der Autodidakten, zu der auch die von Regisseur Neco Зelik initiierte Kiez-Monatsschau gehört, geht es darum, „junge Menschen unabhängig von Herkunft und Status zur kulturellen und demokratischen Teilhabe zu motivieren und ihre intellektuellen und sozialen Kompetenzen zu fördern“, wie es auf der Webseite heißt. So wurden Theaterstücke zum Thema dritte Einwanderungs­generation oder zu Zukunftsvisionen von Jugendlichen entwickelt. Oder, für die Kiez-Monatsschau, eben Filme gedreht, die sich mit dem Status von Roma oder dem von jungen Frauen beschäftigen.
Um bei der Kiez-Monatsschau mitmachen zu können, ist für die Jugendlichen zwischen 14 und 26 Jahren zwar keine Teilnahmegebühr, dafür aber etwas Durchhalte­vermögen vonnöten: Zwei Monate lang treffen sich die Jugendlichen in der Regel einmal wöchentlich, um mit Betreuern für sie relevante Themen zu besprechen, zu recherchieren, zu filmen und zu schneiden.
Ob sich das Ergebnis – ein rund 60 Minuten langer Film – auch diesmal wieder sehen lassen kann, entscheidet zum Schluss natürlich das Publikum: Im Anschluss an die Vorführung wird mit den jungen Filmemachern diskutiert.

Text:
Jasper Penz & Eva Apraku

Foto: Mehmet Can Kocak

Kiez-Monatsschau im Ballhaus Naunyn­straße, ­Naunynstraße 27, Kreuzberg, ?Fr 20.2., 20 Uhr, Eintritt frei, ?www.akademie-der-autodidakten.de

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