Theater

Kinder ins Theater

Dass Theater protestieren, weil es wieder mal an Geld fehlt, ist nicht unbedingt neu und nicht unbedingt aufregend. Aber dass die Berliner Kinder- und Jugendtheater Grips, Theater Strahl, Atze und das Theater an der Parkaue ein Problem bekommen, hat einen absurden Grund: Sie sind erfolgreich. Immer mehr jugendliche Besucher wollen ihre Stücke sehen – in der letzten Spielzeit waren es 20?000 mehr als noch 2010.

Insgesamt kommen 300?000 Kinder und Jugendliche im Jahr mit Unterstützung des JugendKulturService in die Berliner Theater. Schöne Sache. Blöd nur, dass der Senat die durch den erfreulichen Besucheransturm entstandenen Mehrkosten nur sehr zögerlich ausgleicht. Für den JugendKulturService, der für bezahlbare Eintrittskarten sorgt, wird der Erfolg der Theater so zum finanziellen Problem. In den letzten Jahren hat die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Forschung einen Teil der entstandenen Mehrkosten, etwa 30?000 Euro im Jahr, übernommen. Im Doppelhaushalt 2014/15 sind diese Zuschüsse gestrichen.

Das bedeutet: Entweder werden die Karten teurer, für Kinder aus sozial schwachen Familien wird der Theaterbesuch zum Luxus und die soziale Exklusion fängt auch bei der Kultur schon in der Grundschule an. Verantwortlich dafür: ein sozialdemokratischer Regierender Bürgermeister und Kultur­senator, der sich vielleicht bei Gelegenheit mal wieder an sein Parteibuch erinnern könnte. Oder der JugendKulturService kann weniger Karten anbieten, die Theater können weniger Vorstellungen spielen und das Theater erreicht weniger Kinder. „Egal, welche Lösung gefunden werden wird, sie wird auf dem Rücken der Besucher und der Theater ausgetragen werden“, heißt es deshalb in einer Protestresolution der Bühnen.

Ihre naheliegende Forderung: Der Senat solle auf Dauer die jährlichen Mehrkosten von 50?000 Euro finanzieren. Jeder Tag, den Wowereits Pannen-Flughafen BER später eröffnet wird, kostet das Zehnfache.

Derzeit sammeln die Theater Unterschriften für ihre Protestresolution: www.openpetition.de/petition/online/foerderung-von-theaterbesuchen-fuer-berliner-schuelerinnen-und-schueler-sichern

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