Theater

Klamotte: „Der Prozess“ beim Theatertreffen

Das Theatertreffen entwickelt sich. Das letzte Gastspiel, „Hier und jetzt“ aus Zürich, war belanglose Besserverdienenden-Boulevard-Ware. Das neue, „Der Prozess“, Regie: Andreas Kriegenburg, aus den Münchner Kammerspielen, ist ärgerliche Ausstattungsware. Stellen Sie sich vor, amerikanische Touristen kommen für ein Wochenende nach Prag und würden abends gerne eine Kafka-Revue sehen. Dieser Abend würde ihnen gefallen.

Okay, er ist für den netten Kulturkonsum zwischen Dinner und dem letzten Drink an der Bar mit knapp drei Stunden etwas zu lang, aber ansonsten ist die Benutzeroberfläche großer
Kafka-Zirkus. Und dass die Show anders als die Kafka-Lektüre dem Endverbraucher
größere Irritationen erspart und alles in Wohlgefallen und aparte Bild-Ideen
auflöst, ist zwar eine kulturindustrielle Kafka-Weichspülung, aber dafür garantiert auch für weniger belesene Mitbürger ein schönes Zuschauerlebnis. Alles ist auf die staunenden Kinder-Augen im Zuschauerraum zugeschnitten: Das knappe dutzend Herren und Damen in dunklen Anzügen, die große Drehscheibe, auf der sich der schlafende, angstträumende Angeklagte K. samt seine Verhörern dreht – und zwar, Überraschung!, nicht parallel zum Boden sondern um 90 Grad in die Höhe gekippt. Hübscher Effekt: 3-D-Wunder – und trotzdem flach.

Text: Peter Laudenbach

Der Prozess
im Haus der Berliner Festspiele

Weitere Rezensionen zum Theatertreffen:

REZENSION ZU „HIER UND JETZT“

REZENSION ZU „WUNSCHKONZERT“

REZENSION ZU „EINE KIRCHE DER ANGST VOR DEM FREMDEN IN MIR“

Die neun Stücke des Theatertreffens 2009

Interview mit Christoph Schlingensief

Mehr über Cookies erfahren