Theater

„Klangwandler“ in der Neuköllner Oper

Klangwandler„Klangwandler“ von Peter Michael von der Nahmer (Musik) und Kai Ivo Baulitz (Text) ist so etwas wie ein Teenage-Kammer-Musical für zwei Personen, Jonathan (Friedrich Rau) und Mimi (Julia Gamez Martin). Junge trifft Mädchen wie Angebot auf Nachfrage. Junge besteht’s Abitur, Mädchen landet im Knast. Im Grunde geht es um den Sound der Prüfungsangst und der spätpubertären Verwirrung. Jonathan befindet sich im Countdown vor der gefürchteten Abiturprüfung und hat die sonderbare Fähigkeit die jeweilige „spezifische Frequenz“ der Objekte der Welt zu hören und aufzunehmen. Er arbeitet an einer Schizo-Maschine, die die Objekte und schließlich ihn selbst in Klang verwandeln soll. Das Mädchen steht schlicht für das Realitätsprinzip.

Diese Konstellation klingt nicht ganz unbescheuert. Doch spätestens seit Brian Wilson Songs über Gemüse oder die Schwierigkeiten beim Merken von Telefonnummern geschrieben hat, weiß man, dass sublime Popmusik auch auf durchaus bescheuerten Ideen beruhen kann. Von der Nahmer hat für das Stück eine ambitioniert eklektische Popmusik komponiert, arrangiert für Bass, Klavier, Macintosh und Lautsprecher. Die nebenbei vorgestellten „spezifischen“ Klänge zahlreicher Objekte funktionieren hauptsächlich parodistisch. Und obwohl heftige Angstneurosen im Spiel sind, klingt es nicht beklemmend, sondern charmant. So wie die Neuköllner Oper als Ort. Das heißt, schon ziemlich charmant.

Text: Andreas Hahn

Foto: Matthias Heyde

tip-Bewertung: Sehenswert

Termine:
Klangwandler Neuköllner Oper, 13., 14., 18.-21.11., 20 Uhr, Karten: 030/68 89 07 77, [email protected]

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