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„Kleiner Mann – was nun?“ ?am Maxim Gorki Theater

Das ist eine konventionelle Inszenierung, aber eine gelungene. Hakan Savas Mican, der am Gorki Theater in der vergangenen Spielzeit sehr schön und berührend Fassbinders Film „Angst essen Seele auf“ für die Bühne adaptiert hat, widmet sich jetzt Hans Falladas 1932 erschienenem Weltwirtschaftskrisen-Roman „Kleiner Mann – was nun?“. Es ist eine etwas sentimentale Liebesgeschichte im Rezessions-Deutschland der frühen dreißiger Jahre: Der kleine Angestellte Johannes Pinneberg, ein stets adrett lächelnder Mensch, der sich aus dem Durcheinander der Welt am liebsten raushalten möchte (Dimitrij Schaad), liebt in aller romantischen Unschuld Emma Mörschel (Anastasia Gubareva). Die ist zwar Proletariertochter und schon deshalb nicht ganz so harmonieselig wie der Duckmäuser Pinnenberg, muss es sich aber trotzdem gefallen lassen, von ihrem Gatten „Lämmchen“ genannt zu werden. Pinneberg liebt Lämmchen, Lämmchen liebt Pinneberg, alles könnte gut sein, doch die Verhältnisse, sie sind nicht so. Pinneberg verliert seinen Job, die beiden ziehen aus der Provinz ins große Berlin zu Pinnebergs Mutter (die tolle Cigdem Teke), eine Halbwelt-Mondäne. Pinneberg hangelt sich durch schlechte Jobs, zum Beispiel als Herrenkonfektionsverkäufer. Er lächelt tapfer und klammert sich an seiner Liebe fest, sonst hat er nichts. Ein großes Kind, das nicht versteht, wie ihm geschieht, wenn es von den Umständen rumgeschubst wird. Seine Frau ist da nüchterner, sie will die Kommunisten wählen.
Hakan Savas Mican erzählt diesen Verlierer-Blues warmherzig und mit Witz, die leichte Typisierung der Figuren ist so gekonnt wie die Gruppen-Arrangements. Micans Regie ist voll Mitgefühl für Falladas Figuren, aber frei von den Gefährdungen des Kitsches. Schöner Abend.


Text:
Peter Laudenbach

Foto:
Ute Langkadel/Maifoto

Maxim Gorki Theater Sa 6., Do 25.2., 19:30, Karten-Tel.: 20 22 11 15

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