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Kritik zu Castorfs Inszenierung „Kaputt“ an der Volksbühne

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Auch nicht, wenn Frank Castorf in einem Anfall von Lustlosigkeit diese Zumutung angerichtet hat. Der Verschnitt aus Malapartes reißerischen Romanen „Kaputt“ und „Die Haut“ ist konfus. Der harte Stoff von den Massakern des Weltkriegs und der Amoral des Nachkriegs wird samt dem reaktionären Kulturpessimismus, der sich am Untergang Europas wärmt, in die üblichen Volksbühnen-Exaltiertheiten entsorgt. Bert Neumanns Bühnenbild – zerbrochene antike Säulen, schwarz schimmernd vor den gelben Planen des Rundhorizonts – lädt zum munteren Turnen auf den Trümmern ein. Ein Musikteppich von Puccini bis Chopin kleistert im Versuch, Atmosphäre zu suggerieren, alles zu. Wenn müde Scherze über das Warschauer Ghetto gemacht werden, fragt man sich, ob es nötig ist, dass ein Regisseur die eigene Einfallslosigkeit mit Routine-Zynismen kaschiert. Einzig die tolle Britta Hammelstein (u. a. als Prinzessin Viktoria), Jeanne Balibar als an­drogyner Malaparte, die unerschrockene Margarita Breitkreiz (u. a. als Prinzessin Eugenia) und Frank Büttner als lispelnder Max Schmeling sorgen für vereinzelte Lichtblicke.     

Text: Peter Laudenbach

Foto: Thomas Aurin

Volksbühne Sa 22.11., Fr 5.12, Fr 12.12., Sa 20.12., ?jeweils 19 Uhr, Karten-Tel. 24 06 57 77

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