Theater

Krömertorium

Die Welt könnte so schön sein, zumindest wenn sie so wäre, wie Kurt Krömer sie sich wünscht. Kurt Krömer braucht nicht viel, nur „vor Glück weinende Kritiker, Fans in einer Größenordnung, die in etwa der Gesamtbevölkerung entspricht, und neidische Kollegen in einer Größenordnung, die etwa der Gesamtzahl der Kollegen entspricht“. Alles klar, sonst noch was?

„Der stets mit sich selbst hadernde Künstler – allen voran der Schauspieler – ist extrem beeinflussbar und benötigt positive Feedbacks wie das tägliche Catering“, gesteht Kurt Krömer in einem autobiografischen Bekenntnis, neben dem die Memoiren von Thomas Bernhardt, Johann Wolfgang von Goethes oder Casanovas ein laues Lüftchen sind. „Werden dem Künstler diese Impulse von außen (ob zu Recht oder zu Unrecht) vorenthalten, verspürt er alsbald den dringenden Wunsch, seinem verpfuschten Leben ein dramaturgisch ausgeklügeltes Ende zu setzen“, fährt Krömer fort.

Kurt KrömerKurt, tu’s nicht, will man rufen, ohne dich gäbe es ja gar keinen Grund mehr, dem grauenvollen RBB Rundfunkgebühren in den weit geöffneten Rachen zu werfen. Aber Krömer kennt die Neuköllner Überlebenstricks und die gebotene Selbstmedikation bei Melancholie. „Nicht immer sind Bewunderer in ausreichender Quantität bzw. Qualität vorhanden, sodass die verzweifelte Sehnsucht des Künstlers nach einer freundlichen Außenwelt gerne mal in einem riskanten Akt der Selbsttäuschung kulminiert, wobei der Protagonist mittels alkoholischer Getränke sich die Außenwelt schöntrinkt.

Mit Regelmäßigkeit und konsequent betrieben, kann diese Methode die Außenwelt, subjektiv empfunden und zeitlich limitiert, auch durchaus freundlich erscheinen lassen, obwohl sie – aufgrund der nun eingeschränkten Leistungsfähigkeit und Zuverlässigkeit des Künstlers – de facto eher feindlicher werden dürfte.“ Es ist ein Elend. Diese Ausführungen zu künstlermelancholiebedingtem Alkoholabusus entnehmen wir einem hübschen Büchlein, das sich das HAU zum Geburtstag geschenkt hat („100 Jahre Hebbel Theater“, 96 Seiten, 5 Euro). Wer Krömer mittels Fan-Verehrung von Selbstmordgedanken abhalten will, kann das im März in der Schaubühne tun: Krömer zeigt wieder seine Stand-up-Comedy-Show „Krömertorium“. Hingehen!

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