Politisches Theater

Kulturkampf in Polen

Das Gorki Theater zeigt im ­Schwerpunkt Berlin-Poznan-­Warszawa Gastspiele des ­neuen polnischen Theaters

Als der Regisseur Oliver Frljic vor einigen Monaten am Teatr Powszechny in Warschau sein Stück „Der Fluch“ inszenierte, waren die Reaktionen im konservativ-reaktionären Teil der polnischen Öffentlichkeit heftig. Sie reichten bis hin zu Demonstrationen gegen das Theater, der Androhung strafrechtlicher Schritte und Morddrohungen gegen den Regisseur. Frljics wütende Inszenierung über ein von religiösen Fundamentalisten regiertes Land, in dem Rassismus und überhaupt Hass auf alles Fremde zum Alltag gehören, wurde von den Anhängern der katholisch-nationalistischen Regierungspartei genau so verstanden, wie sie gemeint war: als Frontalangriff gegen ein illiberal intolerantes Meinungsklima unter einer populistischen Regierung, die den notwendigen Pluralismus der Demokratie für eine Zumutung hält und am liebsten abschaffen würde. Das Gastspiel von Frljics Inszenierung ist eine der Produktionen, die das Maxim Gorki Theater Anfang Juni in seinem Programmschwerpunkt „Berlin-Poznan-Warszawa“ mit neuem polnischen Theater zeigt.
Die Gorki-Gastspiele zeigen, wie heftig der polnische Kulturkampf im Theater (und um das Theater) unter Bedingungen einer autoritären Regierung tobt, die die Kunst am liebsten zum Instrument der nationalistischen Selbstfeier machen würde, auf abweichende Haltungen zunehmend rüde reagiert und systematisch an einer konservativen Neuprägung der Kultur und ihrer Institutionen arbeitet. Marta Górnickas Inszenierung „Hymne an die Liebe“ untersucht ein sich abschottendes Europa, in dem ein aggressiver Nationalismus an Kraft gewinnt und sich der rechtsradikale Attentäter Breivik als Märtyrer und Vorkämpfer einer faschistischen Zukunft sieht. Marta Malikowsa unternimmt in ihrer Solo-Performance „Die zwei Monddiebe“ eine Reise durch die polnische Geschichte.

Maxim Gorki Theater Am Festungsgraben 2, Mitte

Der Fluch Mi 7.6., Do 8. 6., 19.30 Uhr
Hymne an die Liebe So 11.6., 19 + 21 Uhr
Die zwei Monddiebe Sa 10.6., 20.30 Uhr, So 11.6., 20 Uhr

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