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Kurt Krömer spielt „Johnny Chicago“ in der Volksbühne

Johnny Chicago„Johnny Chicago“ heißt Jakob Heins Text-Vorlage, die alles mögliche, aber sicher kein Theaterstück ist.
Kurt Krömer gibt Johnny Chicago, einen abgehalfterten Fernsehstar, der angeblich 10 000 Jahre alt ist und seine Umgangsformen als echter Neuköllner seit der Steinzeit nicht wesentlich verfeinert hat. Jetzt ist er zu Gast in einer Sendung mit dem vernichtenden Titel „Ihre Stars von gestern.“ Jakob Hein macht den schmierigen Moderator namens Kai Kacke, ein Name, der nicht zu viel verspricht. Inka Löwendorf spielt mit ziemlichem Karacho die blonde Assistentin Betsy, der es völlig zu recht irgendwann gründlich reicht: „Meint Ihr nicht, ich würde ganz gerne mal einen Rock tragen, der länger ist als mein Schlüpper.“ Dass sich der ausgelutschte Alt-Star Johnny Chicago verzweifelt für sein Comeback abzappelt, dass der Moderator mit dem ins Gesicht betonierten Dauerlächeln das alles nur aushält, wenn er in der Werbepause etwas kokst, dass die beiden Helden des Unterhaltungsproletariats schwer sagen könnten, was sie mehr verachten, ihr Publikum oder sich selbst – das alles ist kein subversiver Anschlag auf die Trashhölle der Unterhaltungsformate, sondern nichts als ihre Fortsetzung mit den Mitteln des in diesem Fall ziemlich lahmen Boulevard­theaters.
Der Transport vom einen ins andere Medium bringt nicht, was ja der Sinn der Übung gewesen wäre, beide Medien auf’s lustigste zur Implosion – im Gegenteil. Was im Fernsehen halbwegs komisch ist, wird auf der Bühne zur viel zu groß aufgeblasenen Kleinkunstveranstaltung: der gespielte Witz. Das ist selbst für die dauerkriselnde Volksbühne zu wenig.

Text: Peter Laudenbach

tip-Bewertung: Uninteressant

Johnny Chicago, Volksbühne, Do 8. + Fr 9.7., 19.30 Uhr

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