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Kurt Krömer und „Pimp my Ghetto“ im Admiralspalast

Kroemer_Neukoellntip Für wen veranstalten Sie Ihre Benefizgala im Admiralspalast?
Kurt Krömer Wir machen das für sechs Projekte aus dem Körnerkiez in Neukölln, die wir mit Geld unterstützen wollen – den Jojo-Jugendtreff, die Kleinkunstbühne Boom, einen Lesezirkel, eine Me­dien-Werkstatt im Nachbar­schafts­heim Neukölln, eine Galerie, ein Elterncafй. Ich habe befreundete Künstler eingeladen, die alle unentgeltlich auftreten, zum Beispiel Sido, mein Freund Edith Schröder, Olli Schulz, Icke und Er, Alexander Marcus. Wir nehmen teures Eintrittsgeld, das dann nach Neukölln rüberfließt.

tip Wie viel Geld wollen Sie einnehmen?
Krömer Möglichst viel natürlich. 40.000, 50.000 Euro, das ist so die Marschrichtung.

tip Zu Neukölln fallen vielen als erstes die Ghetto- und Parallel­gesellschaftsklischees ein – zu Recht?
Krömer Ich habe Blut gekotzt, als ich irgendwann im „Spiegel“ gelesen habe: „Endstation Neukölln“. Wenn irgendwo eine Mülltonne brannte, war das der Beweis: Hier ist das Ghetto, hier ist Mord und Totschlag angesagt, hier laufen nur arbeitslose Alkoholiker mit Kampfhunden rum … Ich will das nicht schönreden, Neukölln ist nicht das Blankenese von Berlin. Wir erschie­ßen uns hier nicht gegenseitig auf der Straße, aber es gibt einfach massive Armut, es gibt natürlich Spannungen. Ich habe viele Leute kennengelernt, die in Neukölln ehrenamtlich arbeiten, davor habe ich erst mal großen Respekt. Und genau diese Leute wollen wir mit der Benefizaktion unterstützen – zum Beispiel den Lesezirkel im Nachbarschaftsheim Neukölln, wo Migrantenkinder lesen lernen sollen. Auf dem Tisch liegen dann fünf, sechs Bücher. Die müssten eigentlich 100, 150 Bücher haben. Ich will mich hier ja nicht als neue Ute Ohoven von Berlin etablieren, die mit ’ner Dom-Pйrignon-Flasche durch die Elendsgebiete rennt. Ich will die Arbeit dieser Ehrenamtlichen unterstützen, denen dauernd Steine in den Weg gelegt werden, und die trotzdem jeden Morgen aufstehen und einfach weitermachen. Zum Beispiel die Kleinkunstbühne Boom – wenn wir bei der Gala genug Geld einsammeln, wollen wir denen für ein Jahr die Miete bezahlen. Ich weiß, wie wichtig solche Bühnen sind, auch wenn sie dauernd ums Überleben kämpfen, schließlich habe ich selbst in der Scheinbar angefangen.

tip Wird Neukölln nicht seit ein paar Jahren richtig hip?
Krömer Ich finde das eigentlich ganz gut. Neulich kamen Neuköllner auf mich zu, die ein bisschen Angst davor hatten: „Herr Krömer, Herr Krömer, in Neukölln gibt’s jetzt schon Caffи macchiato – was sollen wir tun?!“ So schlimm wird das nicht werden, man muss nicht damit rechnen, dass wir nächstes Jahr in Neukölln Verhältnisse haben wie in Mitte.

Interview: Peter Laudenbach
Fotos: sector 3 media

Pimp my Ghetto – Die Kurt Krömer Benefizgala
im Admiralspalast, Friedrichstraße 101-102, Mitte, So 18.10., 20 Uhr,
www.die-kurt-kroemer-benefizgala.de

 

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