Theater

Kurzinterview zu „Über Jungs“ im Grips Theater

David_GieselmannHerr Gieselmann, um was geht es in Ihrem neuen Jugendstück „Über Jungs“?
Um den Versuch einer Wiedereingliederungsmaßnahme für gewalttätig gewordene Jugendliche. Die sollen, indem sie zusammen mit einer Köchin drei Tage lang kochen lernen, trainieren, ohne Gewalt miteinander umzugehen, und damit etwas für ihr Leben mitnehmen. Solche Kurse gibt es wirklich. In einer Küche ist der Umgang miteinander ja sehr direkt und unmittelbar.

Haben Sie für die Recherche solche Jugendliche kennengelernt?
Nein, aber wir hatten engen Kontakt mit einem Anti-Gewalt-Coach, der selber auch an ähnlichen Maßnahmen teilgenommen hat. Er arbeitet seit vielen Jahren als Anti-Aggressions-Trainer in Gruppen- und Einzelgesprächen mit Jugendlichen, die ein Gewalt-Problem haben.

Sie sind mit Stücken für das Erwachsenen-Theater, unter anderem an der Schaubühne, bekannt geworden. Was interessiert Sie am Kindertheater? Das habe ich schon früher gemacht. Ganz am Anfang meiner Autoren-Karriere habe ich mit einem Jugendclub in Darmstadt Stücke entwickelt, später habe ich am Hamburger Schauspielhaus am Jungen Schauspiel gearbeitet. Mein Interesse am Kinder- und Jugendtheater ist ähnlich wie beim Theater für Erwachsene. Meine Marktlücke ist bei beiden Genres die gleiche: Ich bin Komödien-Autor und ich glaube, das kann dem Kinder- und Jugendtheater genauso gut tun wie dem Erwachsenen-Theater.

Wie finden Sie es, dass das unterfinanzierte Grips-Theater derzeit um seine Zukunft fürchten muss?
Ja, grausam finde ich das. Meine Stücke wurden an der Schaubühne und an anderen großen Theatern im In- und Ausland gespielt, aber ich war selten so stolz darauf, dass sich ein Theater für mich als Autor entschieden hat, wie jetzt beim Grips Theater. Ich bin als Kind und Jugendlicher sehr stark mit dem Grips aufgewachsen, ich habe damals oft die Schallplatten mit den frühen Kinder-Stücken und den Songs von Volker Ludwig gehört: „Doof gebor’n ist keiner, doof wird man gemacht …“.  Dass dieses Theater, das seit 40 Jahren so eine große Strahlkraft hat, wegen einem Geldbetrag, der verglichen mit den Etats anderer Bühnen lächerlich klein ist, in Nöten ist, ist aberwitzig. Ich verstehe nicht, dass die Politik einen Mann wie Volker Ludwig so respektlos behandelt.     

Interview: Peter Laudenbach

Über Jungs – Termine ab 14 J.)
im Grips Theater,
Karten-Tel. 397 47 40

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