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„La Traviata“ an der Staatsoper Berlin

Dieser Abend ist derart altbacken, harmlos und überraschungsfrei, dass sich selbst konservative Besucher sagen dürfen: „So langweilig habe ich es mir auch wieder nicht gewünscht.“ Regie-Altstar Dieter Dorn erzählt die Geschichte vom Niedergang einer Kurtisane auf schwarzem Tellergrund, vor großer Sanduhr, gesprungenem Spiegel und einem aus acht Turnern zusammengesetzten Totenschädel. Dummerweise verengte auch das Konzept der Vorgänger-Produktion (von Peter Mussbach) die Geschichte ganz ähnlich auf den Blickwinkel der Hauptfigur: als Solo zum Tode. Man hätte ja auch mal was Neues machen können.
Protagonistin Sonya Yoncheva wird von einigen als legitime Nachfolgerin von Anna Netrebko gehandelt – zu Recht. Dennoch animiert Daniel Barenboim sie viel zu selten zu leiseren Tönen, zur psychologischen Flexion und Innenschau. So wird sie hier deutlich unter Wert verkauft. Abdellah Lasri ist ein dunkel flambierter, technisch unfertiger Alfredo, dessen Töne brechen oder mit Ach und Krach erreicht werden. Simone Piazzolla singt Germon pиre als vierschrötig jugendlichen Fabrikbesitzer-Typ. Was er ganz formidabel macht.
Vergeblich sucht Daniel Barenboim nach Verdis unendlicher Melodie und dirigiert ihn zu sehr aus einer Wagner-Optik. Während also Dorn ein Kammerspiel inszeniert, wird es von Barenboim verweigert. Außer einer streckenweise zu verstrahlt klingenden Violetta und einem vielversprechenden Germon pиre ist bei diesem Abend herzlich wenig zu holen.   

Text: Kai Luehrs-Kaiser

Foto: Bernd Uhlig

Staatsoper Berlin
Do 31.12., 18 Uhr. Karten-Tel. 20 35 45 55

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