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„Lady Macbeth von Mzensk“ an der Deutschen Oper

Auf das Fischweib freut sich Evelyn ­Herlitzius gewiss heute schon. In der Neuinszenierung von Schostakowitschs Oper „Lady Macbeth von Mzensk“ an der Deutschen Oper thront sie als Hauptdarstellerin auf einem Haufen dicker Dorsche. „Die Fisch­industrie ist immer noch der zweitgrößte Arbeitgeber meines Landes, gleich hinter der Ölindustrie“, sagt der norwegische Regisseur Ole Anders Tandberg.
Die Sängerin der Titelrolle gilt als eine der intensivsten und besten Sing-Schauspielerinnen der Gegenwart. Evelyn Herlitzius sang in Patrice Chйreaus letzter Arbeit (Aix-en-Provence 2013) die Elektra. Für dieselbe Rolle gewann sie soeben den deutschen Theaterpreis „Der Faust“. Schon 2002 spielte sie in Bayreuth die Brünnhilde in Flimms „Ring des Nibelungen“ als eine Art durchtrainierte, mädchenhafte Lara Croft des Gesamtkunstwerks.
Dabei kam ihr die Tatsache zugute, dass ihr hochdramatischer Sopran über einen raren, ­geradezu provokanten Adoleszenz-Ton verfügt. „Ich versuche immer, meine Figuren so jung wie möglich zu machen“, sagt Her­litzius. Auf diese Weise gehört sie zu den ganz wenigen Sängerinnen, bei denen Verletzlichkeit und Kraft einer Figur kaum mehr unterscheidbar sind. Sie ist die Kindfrau unter den Heldinnen und Megären der Oper heute. In Berlin sang sie bislang vor allem Wagner-Rollen wie Isolde, Ortrud und Kundry in Philipp Stölzls Inszenierung des „Parsifal“.
Für Schostakowitschs „Lady Macbeth“ bringt sie einzigartige Attribute mit. Die ­Heldin, eingeklemmt zwischen einem übergriffigen Schwiegervater und einem impotenten Ehemann, lässt Letzteren durch einen Liebhaber ermorden. Das Werk gilt als eines der wirkungsmächtigsten der Musikgeschichte. Allerdings brachte es dem Komponisten in der Sowjetunion der 30er-Jahre nicht nur Ruhm ein.
Die Vertonung der Novelle von Nikolai Leskow war für Schostakowitsch, einen der bedeutendsten Komponisten des vergangenen Jahrhunderts, 1934 ursprünglich ein überragender Erstaufführungserfolg. Wenige Tage nach der triumphalen Uraufführung im Leningrader Maly-Theater sah Josef Stalin, abgeschirmt hinter der Stahlwand seiner Loge im Bolschoi-Theater, eine Moskauer Aufführung des Werkes. Er muss geschäumt haben. Ein lancierter „Prawda“-Hetzartikel unter dem berüchtigten Titel „Chaos statt Musik“ besiegelte das Schicksal der Oper. Sie wurde verbannt. Für Schostakowitsch nahmen die Drangsalierungen fortan ihren Lauf. Erst ab 1963, als sich der Komponist zu einer Überarbeitung entschloss, durfte die Oper unter dem Titel „Katerina Ismailowa“ wieder gespielt werden. Heute gilt die Urfassung der „Lady“ als das Paradebeispiel einer Oper, die so gut ist, dass sie beinahe nicht misslingen kann.

Text: Kai Luehrs-Kaiser

Foto: Erik Berg

Lady Macbeth von Mzensk Deutsche Oper, So 25.1., 18 Uhr, Do 29.1., Sa 31.1., Do 5.2., Sa 14.2., 19.30 Uhr, Karten-Tel. 34 38 43 43

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