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„Land Art!“ von Peter Laudenbach

Peter Laudenbach

Der Choreograf Tino ­Seghal, der seit der letzten ­documenta ein Star der Kunstwelt ist, oder Romeo Castellucci, der auf der Art Basel, der Kunst-shoppingmall für Millionäre, einen blutigen Unfall inszeniert hat, sind nur der Anfang. Wenn trendbewusste Museumsdirektoren zu Theaterintendanten werden, muss natürlich auch die Theaterkritik umdenken und den eigenen Horizont erweitern.
Wenn sowieso alles Theater ist und jeder sich im weit verbreiteten Genre des Selfie-Theaters als Experte des eigenen Alltags  selbst performt, ist es etwas altmodisch, das Theater nur im Theater zu suchen. Natürlich sind nicht nur ?X-Wohnungen prima Bühnenbilder eines postdramatischen Doku­mentartheaters. Der erweiterte Theaterbegriff muss unbedingt auch Landschaften einbeziehen: die Nordsee, eine Steilküste am Atlantik in ­Portugal, die Insel Madeira oder ­Oklahoma – lauter Orte des großen Naturtheaters, wie es sich ­Kafka nicht schöner träumen könnte.
Es wird Zeit, dass die Land Art Einzug ins Theater hält! Leider konnte ich den Verlag noch nicht davon überzeugen, zum Zweck der theaterkritischen Recherchen die Reisespesen für ­entsprechende Exkursionen zu übernehmen. Aber wenn das mit dem Auflösen aller Genregrenzen so weitergeht, ist es nur eine Frage der Zeit, bis Theaterkritik und Reisebericht endlich miteinander verschmelzen.

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