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„Le nozze di Figaro“ an der Staatsoper Berlin

Vorsicht: Wer bei Parametern wie „Spielfreude“, „Heiterkeit“ oder „Humor“ die Krätze kriegt, sollte diese Aufführung lieber meiden. Jürgen Flimm macht aus Mozarts „Nozze di Figaro“ eine Urlaubs-Sommernachtskomödie im spanischen Badeort Cбdiz (wohin der Hausstand des Grafen Almaviva von Sevilla aus umgezogen ist). Was den schmerzfreien Vorteil hat, dass innerhalb dieser Versuchsanordnung alles genau so abschnurren kann wie sonst – mit Kapotthütchen und Charleston-Kleidchen und in einem Bühnen-Salon, der aussieht wie die Räume von Karl-Ernst Herrmann oder Erich Wonder in den 80er Jahren. Freilich: Flimm arbeitet mit den Sängern wie mit Schauspielern. Das macht die Komödie hier stärker, plastischer und teilweise auch glaubhafter als man es sonst sieht.
Schwachstelle des Abends ist zugleich sein größter Star. Gustavo Dudamel, ein gehypter Name, dirigiert flüssig, plätschrig, zu seicht. Und zu etepetete. Dagegen wird formidabel gesungen. Dorothea Röschmann als Gräfin verfügt über genau das altrosa Timbre der Desillusion, das sie braucht. Ideal besetzt auch Anna Prohaska (Susanna) mit vollsaftigem Renitenzton. Eigentliches Zentrum der Aufführung ist nicht Figaro (maskulin, aber stimmlich wenig Fleisch auf den Rippen: Lauri Vasar). Sondern der grandiose Ildebrando d’Arcangelo. Er gibt den Grafen als schmierigen Playboy und spanischen Monaco Franze –  mit Bauchansatz und Tropenhelm. Das macht er überragend gut! Wer sich vor Jovialitäten fürchtet, wird die Aufführung hassen. Ansonsten: sehenswert und gehenswert.   

Text: KIK

Foto: Monika Rittershaus

Staatsoper im Schiller-Theater Do 19.11., Sa 21.11. 19 Uhr, Karten-Tel.: 20 35 45 55

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