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„Legende vom Glück ohne Ende“ am Maxim Gorki Theater

LegendeVomGlueckOhneEndeZwei Prosatexte von Ulrich Plenzdorf sind vom sonst am Leipziger Centraltheater tätigen Regisseur Robert Borgmann für einen Theaterabend am Maxim Gorki Theater zugerichtet worden. Zunächst die „Legende vom Glück ohne Ende“, die Romanfassung von Plenzdorfs Drehbuch für Heiner Carows Film die „Legende von Paul und Paula“, dem Ost-Nostalgie-Kulturobjekt schlechthin: romantisch unmögliche Liebe, Stand DDR 1973. Als Dreingabe dann der schon wesentlich delirantere Text „Kein runter kein fern“, Plenzdorfs sarkastische Sicht auf Ereignisse des 7. Oktober 1969, dem 20. Jahrestag der DDR.

Theoretisch ist das ziemlich ambitioniert inszeniert. So als eine Rummelplatz-Nummernrevue mit Trümmern, Trümmerfrauen, Doppelgängern, einem Klavier, einer attraktiv sich rumflezenden Julischka Eichel als Paula und einem Verzweiflung chargierenden Thomas Lawinky als Paul. Nostalgisch ist diese Nummernrevue nicht, dafür aber schwer verworren. Nicht verstörend verworren (gut), sondern lähmend verworren (mies). Ihr folgt der von Albrecht Abraham Schuch gesprochene Monolog „Kein runter kein fern“. Ein Bericht von einem nicht stattfindenden Konzert der Rolling Stones, das auf der Ostseite der Mauer in einem Polizeikessel endete. Aus der Perspektive eines offenkundig schwachsinnigen, brabbelnden Jungen. Ein Brabbeln wie bei Faulkner allerdings, sehr kunstvoll und sehr anspielungsreich. Sound and Fury.

Dieser Text ist sehr lustig und Schuchs Performance angestrengt leidenschaftlich. Das rettet einen kurz, bevor dann die ganze Inszenierung im Schlamm von DDR-Theaterkarikaturen versinkt – Andreas Leupold als Pseudo-Heiner Müller, der Puhdys-Soundtrack vom „Paul und Paula“-Film, die Stasi, die Mauer usw. usf. Jeder, der tatsächlich noch lieben möchte – egal, ob reale oder imaginäre Personen –, sollte dem dringend fernbleiben. Der 2007 verstorbene Ulrich Plenzdorf, dessen Autorenlaufbahn auch mit dem Maxim Gorki Theater durchaus verbunden war, hätte gerade an jenem Ort eine weniger diffuse und öde Neuerfindung verdient.   

Text: Andreas Hahn
Foto: Thomas Aurin
tip-Bewertung: Uninteressant

Legende vom Glück ohne Ende/oder Paul und Paula: Termine
im Maxim Gorki Theater,
z.B. am Mi 6.6., Sa 16.6., Sa. 23.6., 19.30 Uhr,
Karten-Tel. 20 22 11 15 

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