Oper

„Les Huguenots“

Der wohl wichtigste Tenor der Gegenwart im Rollen-Debüt an der Deutschen Oper: Juan Diego Flórez als Raoul in Giacomo Meyerbeers „Les Huguenots“

"Die Hugenotten" an der Deutschen Oper Berlin, Foto: Bettina Stöß
„Die Hugenotten“ an der Deutschen Oper Berlin, Foto: Bettina Stöß

Meyerbeers Grand-opéra „Les Huguenots“ – die Vertonung des Blutbads der Bartholomäusnacht – war 1836 die Erfindung des Breitwandschinkens und des Splatter-Movies zugleich. Schon vor knapp 30 Jahren gelang der Deutschen Oper eine Wiederausgrabung (damals in der Regie von John Dew). Die jetzige Neuinszenierung ist noch prominenter besetzt: Für den Peruaner Juan Diego Flórez, den wohl wichtigsten Tenor der Gegenwart, stellt die Partie des Raoul das vermutlich wichtigste Rollen-Debüt seiner Karriere dar. Eine schmale, elegante Rüstung hat sein Tenor angelegt, worunter ein weicher, elastischer Kern erhalten geblieben ist. Den Erotik-Nahkampf im 4. Akt besteht er elegant. Ein Triumph.
Regisseur David Alden aktualisiert das religiöse Gemetzel nicht. Über der Wellblechscheune, in der lange Zeit musikalische Heiterkeit herrscht, hängt drohend die Glocke von Saint-Germain, die 1572 das Signal zum Beginn des Massakers gab. Der eigentliche Protagonist des Abends, der Chor, klingt anfangs verwackelt, verwaschen und justierungsbedürftig. Was sich dann gibt. Großartig: die schwebende Patrizia Ciofi als Blutkönigin Marguerite. Dagegen kommen die alarmschrillige Olesya Golovneva (Valentine) und der zu schwarzbassige Ante Jerkunica (Marcel) etwas zu weit vom Pfad der hier beabsichtigten Belcanto-Tugend ab. Unter Michele Mariotti bleibt das Orchester etwas zu schwerfüßig, untänzerisch, deutsch. Ein Achtungserfolg, überhöht und verklärt durch Juan Diego Flórez. Na also.

Deutsche Oper Do 17.11. 18 Uhr, So 20.11., 17 Uhr, Mi 23.11., 18 Uhr, Sa 26.11., 18 Uhr, Di 29.11., 17 Uhr
Eintritt 39–128 €

Bewertungspunkte2

Mehr über Cookies erfahren