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„Letzte Runde“ von Peter Laudenbach

Diese Kolumne wurde vor etwa 20 Jahren auf der Toilette des Maxim-Gorki Theaters erfunden. Mein Freund Rüdiger und ich erleichterten uns vor irgendeiner sinnlosen Premiere und erzählten uns John-Wayne-Witze: Kommt ein Mann in eine Bar… Aber dann kam nicht John Wayne, sondern Martin Wuttke in der Gorki-Toilette im energischen Ui-Schritt an uns vorbei, ein beeindruckender Anblick. Wir dachten, dass wir unbedingt darüber schreiben müssen. Dafür haben wir die Kantine erfunden. Das müssen die tip-Leser jetzt seit zwei Jahrzehnten ausbaden. Rüdiger war Tip-Redakteur und wurde für viele Jahre mein bester Freund. Oft war das beste an den Theaterpremieren, hinterher mit ihm zu trinken und über das Bühnengeschehen zu lästern. Das Schreiben war in den ersten tip-Jahren die sorglose Fortsetzung dieser Gespräche. Auf einmal war ich Theaterkritiker, dumm gelaufen. Zwei oder drei Jahre später ging Rüdiger zum Tagesspiegel, was damals noch als Karriere durchgehen konnte. Ich wurde tip-Redakteur, und das war schon damals keine Karriere. Deshalb mochte ich es ja: Nichts ist besser, als ein Job, den man nicht zu ernst nehmen muss. Ich wusste nicht, ob ich noch ein bisschen studieren oder für eine Zeitschrift arbeiten soll. Ich hätte nichts dagegen gehabt, gleich wieder beim tip rauszufliegen. Um zu testen, wie weit ich gehen kann, habe ich im ersten Heft, für das ich als Theaterredakteur zuständig war, Wiglaf Droste gebeten, ein paar Seiten zum Brecht-Jahr zu schreiben: 1998 – 100 Jahre Brecht, lange her. Wiglaf hat sauber alle beleidigt, ein großer Text. Ich bekam trotzdem keinen Ärger. Danach habe ich einfach gemacht, was ich wollte. Guter Vorsatz fürs neue Jahr: Öfter testen, wie weit man gehen kann.

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