Theater

„Lilith\s Return“ im Radialsystem

Liliths_ReturnAm Anfang war die Musik. Der Komponist Mahmoud Turkmani hatte eine Partitur zum Buch „Lilith’s Return“ der libanesischen Schriftstellerin Joumana Haddad geschrieben. Er suchte jemanden, der daraus vielleicht mehr machen würde als eine konzertante Aufführung. ­Regisseur Frank Krug wurde gefragt, ob er sich das vorstellen könne, und prinzipiell konnte er. Bloß stand er bald vor der grundsätzlichen Frage: Wie erzählt man eine Geschichte über Lilith? Über eine paradiesvertriebene Feminismus-Ikone, die zig Jahrtausende Mythologie auf dem Buckel hat.

„Erinnerungen aus Frauenräumen in der Bochumer Uni kamen mir hoch“, so der Regisseur, „alle in Lila gewandet, wir sind Lilith! – nee.“ Außerdem war ihm klar, dass sich die Situation der Frauen in den arabischen Ländern von der in Berlin ziemlich unterscheidet. Eher zufällig verschlug es ihn in die Aufführung „Mongopolis“ des Theaters RambaZamba, in der Menschen mit Down-Syndrom spielen.

Er sah eine kurze Szene, in der die Schauspielerin Juliana Götze sich in eine Lilith verwandelt, und das leuchtete Krug sofort ein: „Eine Figur, die nicht ins ­Muster passt, ohne dass damit platt eine Behindertengeschichte erzählt würde.“ Also engagierte er die drei stärksten Spielerinnen des Ensembles für sein Musiktheater-Projekt, neben Götze noch Nele Winkler und Rita Seredßus.

In Textpassagen und Choreographien – begleitet von Komponist Turkmani, einer Koryphäe der arabischen Laute, sowie einer Formation, der Jazzgrößen wie Bassist Barry angehören – verkörpern sie die helle und die dunkle Seite „einer Frau, die mit Brachialgewalt Originalität auslebt, aber dafür in dieser Gesellschaft keinen Raum findet.“ 

Text: Patrick Wildermann

Foto: Sebastian Bolesch

Lilith’s Return Radialsystem, Freitag, 4. Februar, 20 Uhr, Samstag 5. Februar, 19 Uhr, Sonntag 6. Februar, 20 Uhr

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