Theater

Lilly unter den Linden vom Grips Theater

Lilly unter den Linden„Du spinnst!“, meint Meggie nur, als die 13-jährige Lilly (Julia Schubert) von ihrem Plan erzählt, von Hamburg nach Jena umzuziehen: „Kein Mensch geht freiwillig in die DDR.“ Es ist das Jahr 1988, und Deutschland ist geteilt. Lilly, durch den Tod ihrer Mutter gerade zur Waise geworden, weiß sich der fürsorglichen Belagerung durch das Jugendamt nur durch eine Flucht in den Osten zu entziehen. Denn dort leben mit Tante Rita (Anja Dreischmeier) und deren Familie die letzten Verwandten. Den Einwänden Meggies begegnet Lilly dann auch mit pragmatischem Trotz: „Warum soll ich nicht in die DDR fahren, ist doch nur halb so weit wie in den Ski-Urlaub.“
Mit dem Ost-West-Stück „Lilly unter den Linden“ eröffnet das Grips Theater seine neue Spielstätte im Ostteil der Stadt – im Podewil.
Regisseur Philippe Besson streicht die Vorlage auf knapp zwei Stunden zusammen. Lilly unter den LindenIm ers­ten Teil spielt das Stück vor einer Rummelplatzkulisse im Westen, dann macht Lilly „rüber“, und die Kulisse verwandelt sich in eine triste Osthäuserfassade. Vor der wird mit der familiären dann die deutsch-deutsche Vergangenheit verhandelt. Lilly prallt in ihrer Glitterjeansjacke auf beige­braune Ost-Pullis und manches Vorurteil. Doch dann hilft ihr ausgerechnet Stasi-Bernd aus der Bredouille, und selbst der Zensur kann sie Positives abgewinnen: „Vielleicht würden bei uns im Westen ja auch mehr Leute lesen, wenn es verboten wäre?“
Text: Björn Trautwein
Fotos: David Baltzer/bildbuehne

(tip-Bewertung: Sehenswert)

Lilly unter den Linden
Grips Theater im Podewil, Klosterstraße 68, Mitte,
Sa 14.3., 19.30 Uhr, So 15.3., 18 Uhr
(empfohlen ab 13 Jahren)

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