Theater

„Linie 1“ auf Arabisch im Grips-Theater

Linie1_Mak-Nazltip Wie sind Sie auf das Stück von Volker Ludwig gestoßen?
Amr Jamal Der Chef des Deutschen Hauses im Jemen hat meine jemenitische Version von „My Fair Lady“ gesehen. Die hat ihm gefallen und er hat mich eingeladen, mir den Kinofilm „Linie 1“ anzuschauen. Ich habe mich sofort in das Stück verliebt.

tip Ihre Fassung heißt „Mak Nazl“ (Aussteigen), sie spielt im Bus und nicht in der U-Bahn.
Jamal Ja, es gibt keine U-Bahn im Jemen. Also habe ich das geändert. Die Wilmersdorfer Witwen sind drei alte Frauen aus Aden, die über die Inflation und steigende Preise tratschen. Um offen zu sein: Ich habe aus „Linie 1“ eine sehr jemenitische Inszenierung gemacht. Viele Menschen, die es sehen, glauben nicht, dass dem ein deutsches Stück zugrunde liegt.

tip Treten die Schauspielerinnen mit Kopftuch auf?
Jamal Ja. Auch in Berlin. Alles andere wäre auch unnatürlich, weil ja die jemenitischen Mädchen auf der Straße Kopftücher tragen.

tip Welche Reaktionen gab es auf Ihre Premiere im Jemen?
Jamal Das Stück ist unglaublich erfolgreich. Die Zuschauer sind verrückt danach. Vor allem in Aden, in der das Stück spielt, aber auch in der Hauptstadt Sanaa. Jeder spricht über diesen Triumph.

tip Was glauben Sie, woran liegt das?
Jamal Ich denke, das Stück vermittelt eine Botschaft der Hoffnung. Es ermutigt die Menschen nach diesem Lichtstrahl zu suchen, der uns eine bessere Zukunft verspricht. In der jemenitischen Version gibt es eine politische Botschaft, die die Herausforderungen der jemenitischen Wiedervereinigung betreffen. Die Hauptdarstellerin ist ein bankrottes Mädchen aus dem Norden, das einen frustrierten Jungen aus dem Süden trifft. Sie entscheidet sich, ihm zu helfen, und verliebt sich in ihn. Ich hoffe, dass auch unser Land aufgrund der Liebe vereinigt bleibt.    

Interview: Björn Trautwein
Fotos: Khaled Aden

Termine: Mak Nazl – Linie 1
im Grips-Theater, 11.+12.6., 19.30 Uhr

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