Theater

„Lover“ im Kraftwerk

Rundfunkchor_Berlin_U_Theatre_Taiwan_LOVER_Trommler_c_U-TheatreTaiwanE. E. Cummings ist einer der originellen Dichter der US-Moderne. Sein Antikriegs-Roman „The Enormous Room“ taucht in Heiner Müllers „Hamletmaschine“ auf, Björk hat eines seiner Gedichte vertont. Jetzt bringt ihn der Rundfunkchor Berlin ins Kraftwerk in der Köpenicker Straße, wo seine Liebesgedichte unter dem Titel „Lover“ a cappella und vor unverputzten Wänden vertanzt und mit chinesischen Trommeln traktiert werden.

Der Rundfunkchor, der sich vom Komponisten Christian Jost schon früher als Bewegungschor auf die Bühne schicken ließ („Angst“), kündigt seine Uraufführung als „West-östlichen Liebesdialog“ an. Warum die Cummings-Vertonung vom taiwanesischen U-Theatre (Regie: Ruo-Yu Liu) mit asiatischen Klängen konfrontiert wird, lässt sich der Sache, ehrlich gesagt, nicht entnehmen. Der Chor bewirbt die Produktion denn auch mit Plakaten, die in der Mitte durchgerissen sind. Die Hälfte fehlt.

„In meinem Werk LOVER bilden die Gongs den kontemplativen Atem, die Trommeln seinen antreibenden Puls und der Chor die alles verbindende Stimme“, meint der Komponist Christian Jost. Etwas Derartiges habe es, soweit ihm bekannt, bislang nicht gegeben. Vielleicht wird die west-östliche Ursuppe auch deswegen angerührt, weil asiatische Meditationsmusik unweigerlich wohltuend und wellnesshaft wirkt. So wie das Handauflegen beim Zipperlein.

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Der Rundfunkchor hat in den letzten Jahren so gute Arbeit geleistet, dass wir durchaus bereit sind, auch diese Kraftbrühe auszulöffeln. „Asian percussion meets human voice“, das soll immerhin „keine Mixtur“ ergeben. Sondern die Kombination verschiedener Pole. Die Liebe wird’s schon richten.

Text: Kai Luehrs-Kaiser

Foto: U-Theatre Taiwan

LOVER Kraftwerk Berlin (Köpenicker Str. 70), Mi 2.4., 20 Uhr, Fr 4.4., 20 Uhr, Sa 5.4., 20 Uhr, Karten-Tel. 20 29 87 22 – Die Vorstellung am Samstag, den 5.4. ist bereits ausverkauft.

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