Theater

„Lulu“ an der Staatsoper im Schiller Theater

Lulu_c_BerndUhlig_06Erich Wonders Bühne, ein paar Rost-Gerüste und ein Autofriedhof im Halbdämmer im 80er-Jahre-Kunstgewerbe-Stil, liefert einen denkbar beliebigen Rahmen. Breth friert ihre Figuren gerne etwas manieriert in statuarisches Posieren und unterkühlte Pathosformeln ein: lauter Untote. Das Vorspiel von Alban Bergs Oper nach Wedekinds Schauspiel, ein Jahrmarktausrufer, der kommende Sensationen ankündigt und so das folgende Geschehen in die Groteske rückt, entfällt. Bei Breth eröffnet ein markerschütternder Schrei die Oper. Nicht um die Groteske, sondern um den puren Schmerz geht es ihr. Die szenischen Schwächen werden von der musikalischen Qualität der Aufführung mehr als ausgeglichen. Mojca Erdmann singt und spielt die Lulu zum Niederknien: kein Opfer, auch keine klebrige Männerfantasie, sondern eine selbstbewusste, starke Figur mit einer Stimme von strahlendem, berührendem Glanz. Barenboim betont nicht die aggressiven Expressionismen in Bergs radikal moderner Musik, sondern ihre spätromantische Schönheit, die Staatskapelle spielt Berg nicht wuchtig, sondern wunderbar fein und durchsichtig und klar.

Text: Peter Laudenbach

Foto: Bernd Uhlig

tip-Bewertung: Sehenswert

Lulu Staatsoper im Schiller Theater, Sa 14.4., 19 Uhr, Karten-Tel. 20 35 45 55

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