Theater

„Macbeth“ in der Deutschen Oper

MacBethRobert Carsens Inszenierung von Giuseppe Verdis „Macbeth“ an der Deutschen Oper, die letzte Premiere unter der scheidenden Intendantin Kirsten Harms, ist eine Übernahme einer Produktion der Kölner Oper aus dem Jahr 1998. Man merkt der Inszenierung ihr Alter durchaus an. Die Macbeth-Handlung wird in eine „der Ostblock-Diktaturen Ende der 80er-Jahre“ (Programmheft) versetzt, zu denen der historische Abstand inzwischen schon ziemlich groß ist. Macbeth ist also eine Art Farcen-Ceausescu. Thomas Johannes Mayer singt mit seinem gebremsten Bariton dennoch eher als Melancholiker, der sich zufällig in eine Theateruniform verirrt hat. Anna Smirnova ist als Lady Macbeth bemüht, etwas von der Wollust der Macht zu vermitteln. Die Inszenierung leidet sehr an ihrem billigen Militärdiktatur-Historismus. Ähnliche Szenarien sind im Zusammenhang mit „Macbeth“ schon unzählige Male mehr oder minder sinnvoll anvisiert worden. Es geht dabei weniger um konkrete politische Zusammenhänge, umso mehr aber – ähnlich wie in einer „Tim und Struppi“-Geschichte – um äußere Erkennungsmerkmale des farcenhaft Autoritären: Uniformen, Posen für Porträtmalerei, Paraden, Marschmusik.

m Bühnenbild gehen dann wiederholt die Schaufenster auf, die das Theaterhafte der Macht ausstellen. Effekthascherei. Wie die zahlreich abgefeuerten Platzpatronen oder auch der Orchesterklang an jenem Abend (musikalische Leitung Roberto Rizzi Brignoli). Es gibt zwei späte, aber lohnenswerte musikalische Höhepunkte. Zum einen der Chor der exilierten Schotten („Patria oppressa!“), den Verdi zu Beginn des letzten Aktes für die ansonsten ziemlich wortgetreue Shakespeare-Bearbeitung dazu erfunden hat. Im vorrevolutionären Italien des Jahres 1847, als die erste Fassung der Oper uraufgeführt wurde, ein schwer politisches Statement. Zum anderen die darauf folgende von Pavol Breslik großartig gesungene Arie des Macduff. Der Rest ist Militärklamotte im „Tim und Struppi“-Stil.

Text: Andreas Hahn

Foto: Bettina Stöß

tip-Bewertung: Zwiespältig

Macbeth Deutsche Oper, Fr 24., Di 28. u. Do 30.6; So 3.7., 19.30 Uhr, Karten-Tel. 343 84 343

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