Theater

Maerzmusik 2012

John_CageDie Maerzmusik steht dieses Mal ganz im Zeichen von John Cage. Das ist nicht allzu überraschend, schließlich wird in diesem Jahr sowohl der 100. Geburtstag (am 5. September) wie auch der 20. Todestag (am 12. August) des Komponisten begangen. Also gibt sich die Maerzmusik das historisierende Motto „John Cage und die Folgen“.

Doch lassen wir den Komponisten selbst sprechen: „Der Grund, warum mich Musik immer weniger interessiert“, schreibt er 1967, „ist nicht nur, dass ich natürliche Umweltklänge (environmental sounds) und Geräusche für ästhetisch nutzbringender halte als die von den Musikkulturen der Welt hervorgebrachten Klänge, sondern dass, wenn man es genau betrachtet, ein Komponist schlicht jemand ist, der anderen Leuten vorschreibt, was sie zu tun haben. Für mich ist dies eine unattraktive Art und Weise, seine Sachen zu erledigen.“ Der Mann war also von ganzem Herzen antiautoritär. Das manifestiert sich sehr schön in dem Werk, mit dem die Maerzmusik eröffnet werden wird: den „Song Books“ von 1970.  Die künstlerische Leitung der Aufführung hat keine Geringere als die Sängerin Joan La Barbara, eine langjährige Weggefährtin von ­Cage. Sie war es, die „Solo for Voice 45“, eine der Kompositionen aus den „Song Books“, 1976 uraufführte. In Kenneth Silvermans umfangreicher Cage-Biografie „Begin Again“ kann man ein Foto bewundern, wie sie mit Cage Schach spielt. (Schach ist natürlich generell eine Leidenschaft, die Cage mit seinem künstlerischen Vorbild Marcel Duchamp teilte.)

Diese „Song Books“ bestehen aus einer über 320-seitigen Partitur mit 89 Vokalsoli, die in 50 unterschiedlichen Techniken komponiert sind. Auswahl, Kombination, Präsentation etc. werden dabei den Aufführenden überlassen. Die Sänger haben völlig freie Wahl, welche der Kompositionen sie in welcher Länge, Reihenfolge und Begleitung singen möchten.
Die „Song Books“ enthalten allerdings auch präzise Anweisungen. Sie lauten z.B.: „Bevor dieses Solo gesungen wird, hisst entweder die schwarze Flagge der Anarchie oder die Flagge der gesamten Erde.“ Die Texte bestehen aus Schlagzeilen in ziemlich allen Weltsprachen und Zitaten von Marcel Duchamp bis zu Buckminster Fuller und Marshall McLuhan. In John Cages: Lasst die schwarze Fahne über dem Haus der Berliner Festspiele wehen.    

Text: Andreas Hahn
Foto: Christopher Felver

Maerzmusik
Sa 17. – So 25.3.,
im Haus der Berliner Festspiele u.a.  
www.berlinerfestspiele.de, Karten-Tel. 25 48 91 00

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