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„Mania“ am Maxim Gorki Theater

Miloљ Loli? hat am Maxim Gorki Theater einen krachenden Abend sehr frei nach den „Bakchen“ des ­Euripides arrangiert.
Von der antiken Tragödie, einem Grundtext des europäischen Theaters (und nicht erst seit Nietzsche des europäischen Denkens), ist eine dröhnende Party des eher dumpfen ­Exzesses übrig geblieben, die musikalisch von nostalgisch wummerndem Techno begleitet wird. In der ersten Viertelstunde kommt die 90-minütige Show gleich ganz ohne Worte aus: Der Sound ist die Message.
Dionysos (Till Wonka), der Halbgott des Rausches, verführt hier nicht die Damenwelt von Theben zu Orgien, die alle staatliche Ordnung sprengen. Stattdessen zappelt die aufge­drehte, angedröhnte Partycrowd in flächen­deckend verteiltem Schleim und reibt manisch die in Ganzkörperkondome gezwängten ­Leiber aneinander, ein Bild, wie sich der Berlin-Tourist das Berghain zu fortgeschrittener Stunde vorstellt. Kein Wunder, dass Pentheus (Aleksandar Radenkovi?), der sich und den Staat nicht dem neuen Exzesskult hingeben will, keine Chance gegen den Partydiktator Dionysos hat und von seiner eigenen, zur Technobraut mutierten Mutter massakriert wird. Als Popsignal dafür, dass es vermutlich irgendwie um Dekadenzkritik geht, wird das Goldene Kalb, um das hier alle tanzen, von einer Kopie des aufgeblasenen, metallisch glänzenden Jeff-Koons-Ballon-Pudels dargestellt (Bühne: Evi Bauer).
Man weiß nicht, was unangenehmer ist: dass Loli?s Inszenierung die Tragödie und die barbarische Grenzüberschreitung des Dionysos-Kults zur Feierabendpartydroge banalisiert oder dass sie Techno zum Ballermann-Klischee macht.   

Text: Peter Laudenbach

Foto:
Ute Langkafel, Maifoto

Maxim Gorki Theater Sa 20.6., 19.30 Uhr, Karten-Tel. 20 22 11 15

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