Kommentar

„Maul­heldentum“ von Peter Laudenbach

Klaus Lederer ist noch nicht im Amt als Kultursenator, da hyperventiliert schon die halbe Lokalpresse.

Peter Laudenbach

Im „Tagesspiegel“ phantasiert Christiane Peitz, in Zukunft wolle die Politik über „Spielpläne und Jahresprogramme“ der Bühnen „mitentscheiden“. Sie folgert daraus messerscharf: „Das wären iranische Verhältnisse.“ Ein Blick in den Koalitionsvertrag hätte sie vor solchen Angstträumen bewahrt. Die Koalition setzt in der Kultur dezidiert nicht auf die Selbstherrlichkeit der Vorgängerregierung, sondern auf Transparenz. Vom Eingriff in die Arbeit der Bühnen ist, anders als von Peitz unterstellt, keine Rede, im Gegenteil. Der Koalitionsvertrag betont ausdrücklich die „künstlerische Gesamtverantwortung der Leitung der jeweiligen Einrichtung“. So viel zu den vom „Tagesspiegel“ herbeiphantasierten „iranischen Verhältnissen“.
Auch die Konkurrenz von der „Berliner Zeitung“ kommt in ihrer Kulturberichterstattung notfalls ohne Fakten aus: Im Feuilleton fordern Christian Schlüter und Jens Balzer sicherheitshalber schon mal, die „Personalie Lederer“ zu überprüfen. Dass Lederers Berufung zum Kultursenator die Folge einer demokratischen Wahl ist und schon die Fairness gebietet, seine Eignung dafür erst nach den ersten 100 Tagen im Amt zu beurteilen, muss den schäumenden Feuilletonisten entgangen sein. Lieber beschimpfen sie Lederer als „ahnungs­losen Maulhelden“. Und zumindest von ahnungslosem Maulheldentum verstehen sie etwas.

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