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„Mäusehirne“ von Peter Laudenbach


Der RBB hatte Castorf bei den Endproben gefilmt, es ging etwas lauter zu als in einer RBB-Redaktionssitzung. Castorf brüllte, er pumpte Energie und den nötigen Hass in die Inszenierung. Es ging nicht um Psychologie, sondern um die Wucht der Artaud-Texte. Einmal brüllt er, dass die Texte Monolithen seien (sind sie), das sei wichtig, nicht private Befindlichkeiten, beziehungsweise „Mäusehirne“. Das löste bei besorgten Mitbürgern helle Aufregung auf. Darf ein Regisseur brüllen? Darf er so schmutzige Vokabeln verwenden? Ist das mit Menschenwürde, politischer Korrektheit und Walddorfpädagogik vereinbar? Weshalb muss das Theater immer so schrecklich kompliziert und konfliktträchtig sein? Weshalb ist die Welt so böse? So etwa klagten die besorgten Mitbürger auf einschlägigen Online-Portalen. Nun begegnet man als Theaterkritiker im Berufsleben jeder Menge Mäusehirne. An Dummheit herrscht vielerorts kein Mangel. Aber die Volksbühne ist vermutlich die mäusehirnfreieste Zone, die ich kenne. Insofern muss man Castorf leise widersprechen: Seine Attacke gegen Mäusehirne ist zwar jederzeit berechtigt, wendet sich hier aber ans falsche Objekt.
Interessanter und schön melancholisch ist eine andere Stelle des RBB-Beitrags. Einmal seufzt Martin Wuttke, was Castorf verlange, sei nicht ganz einfach. Da reckt Castorf mit großer Beiläufigkeitsgeste die Arme in die Höhe und sagt, „naja, meine Intendanz läuft im Sommer ?17 ab“. Aber diese trotzige Melancholie haben die aufgeregten Online-Besorgten natürlich nicht mitgekriegt.“

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