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Meyerbeers „Vasco da Gama“ an der Deutschen Oper

Meyerbeers

Dieser Titel sollte erotisch klingen, in Wirklichkeit handelt es sich bei der weiblichen Hauptfigur aber um eine Inderin. Von der stadttheatermäßig braven Inszenierung von Vera Nemirova wird niemand so richtig begeistert sein. Das Ashram-Indien, das sie zum Ziel dieses Seefahrer-Epos nimmt, sieht allzu hippiemäßig klischeehaft aus. Immerhin ist die Aufführung international erstrangig besetzt. Roberto Alagna als Kap-Umsegler Vasco da Gama hat Metallspäne in der Stimme, wie er sie braucht. Nur erweist er ich sich bei der berühmten Arie („Ф Paradis“) als verdammt schlechter Gestalter. Sophie Koch als Selica geht beim Liebestod unterm giftigen Manzanilla-Baum die Puste aus. Nino Machaidze (Inиs) gibt das früh angewelkte Glamour-Girl. Vorzüglich Seth Carico als Don Pedro. Markus Brück als Nelusco singt die Rolle seines Lebens. Großartig.
Wenn der 4 ѕ-stündige Zirkus dennoch nicht so richtig zündet, liegt’s vor allem daran, dass Enrique Mazzola im Graben jeden dramatischen Puls vermissen lässt. Das suppt alles nur trübe und abgestanden zu den Füßen der Protagonisten herum. Eigentlich absehbar: Man würde ja auch Wagners Schmachtfetzen nicht einem blassen Repertoiredirigenten überlassen.   

Text: Kai Luehrs-Kaiser

Foto: Bettina Stoess

Deutsche Oper Sa 24.10., 17 Uhr, Karten-Tel. 34 38 43 43

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