Theater

Michael Mittermeier über „Blackout“

Michael_MIttermeier_02_c_SvenBaenzigerHerr Mittermeier, erleben wir in Ihrem neuen Programm „Blackout“ den Systemausfall??
Genau, den Systemausfall in allen Bereichen, von der kleinen menschlichen Synapse, die durch Alkohol dann doch etwas langsamer geworden ist, bis zum großen Atom-Blackout. Ich finde, es ist mein bestes Programm, das hat die Verspieltheit von „Zapped!“ und die Härte von „Paranoid“, aber das aktuelle Programm liebt man ja sowieso immer am meisten.

 

Sie waren mit Ihrem englischsprachigen Programm viel unterwegs. Hatte das Folgen für „Blackout“??
Ich glaube schon. Ich habe in den letzten Jahren in London oder Südafrika oder Kanada viel gelernt. Das war nach 26 Jahren auf Tour wie ein frischer Schub, ich habe noch mal bei null angefangen. Comedy ist im englischsprachigen Ausland schon etwas härter als hier. Deutschland ist eigentlich Comedy-Sozialhilfe-Land, wer drei Witze erzählt, geht als Comedy-Star durch, als sogenannter. Das reicht in England nicht. Es tut einem übrigens auch als Mensch gut, mal von außen auf dieses reiche Land zu schauen. Hier regen sich Leute über Kleinigkeiten auf, da haben die Leute in Südafrika echt andere Probleme.

Haben Sie bei diesem düsteren Titel Ihres neuen Programms ab und zu Angst, dass die Zeiten in Deutschland härter werden?
Ich bin kein Pessimist, aber mich interessiert schon, wo die Leute – auch die Politiker – einen Blackout haben. Nach diesen NSU-Morden fragt man sich doch, wozu haben wir eigentlich einen Verfassungsschutz und eine Polizei? Waren die alle Halma spielen? Das muss ein kompletter Blackout gewesen sein, und zwar von so vielen Stellen, dass es eigentlich unfassbar ist. So könnte kein Schreiner arbeiten. Wenn der einen Blackout wie die Polizei bei den NSU-Morden hätte, würde er wahrscheinlich nur noch Sägemehl herstellen.  

Sie waren zu Recherchezwecken für Ihr neues Programm auch auf einer Sexmesse. Wie war’s?
?
Das war wie eine Mischung aus Körperwelten und Surrealismus. Alles ist nackt, und es sieht nur nach Arbeit aus, auch wenn einer kommt und sich „Mister 35 Zentimeter“ nennt. Sehr schräg, aber ich weiß nicht, ob davon irgendjemand geil wird.

Schön, wenn die Leute keine anderen Sorgen haben.
?
Wir sind kurz vor Rom, was die Dekadenz angeht. Ich spreche im Programm über Troja, über Rom, etwas Geschichte, Freunde. Alle sind immer untergegangen, wenn die Dekadenz zu groß geworden ist. Die eine Hälfte der Römer war im Puff, der Rest war im Dampfbad oder besoffen.

Interview: Peter Laudenbach

Foto: Sven Baenziger

Michael Mittermeier – Blackout Tempodrom, Di 12.11., 20 Uhr, Karten-Tel. 01806-55 41 11

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