Theater

Michael Ronen im Gespräch

Michael_Ronen_2_c_UteLangkafel_MAIFOTODas Stück „Ich rufe meine Brüder“ von Jonas Hassen Khemiri handelt von einem Bombenanschlag in Stockholm. Der Protagonist Amor hat nichts damit zu tun, findet sich aber selbst verdächtig. Warum?
Ich bin überzeugt, dass der Autor mit rassistischen Zuschreibungen spielt. Das Stück wirft in Rückblenden Schlaglichter auf das Selbstmordattentat, das sich 2010 in Schweden ereignet hat und eine Welle von Fremdenfeindlichkeit und Furcht in der Bevölkerung auslöste. Wie der 11. September in Amerika. Mit der Konsequenz, dass jeder, dessen Aussehen oder Name irgendwie fremd erschien, beargwöhnt wurde. Oder sich unter Beobachtung wähnte, wie der Protagonist Amor.

Kennen Sie selbst diese Paranoia?
Ich kenne das Gefühl als Israeli sehr gut. Zwischen 1995 und 2003 bin ich in Tel Aviv aufgewachsen, zu einer Zeit, als ungefähr jeden zweiten Tag ein Selbstmordattentat Schlagzeilen machte. Ich habe erlebt, wie Furcht sich in eine Gesellschaft, in Familien und Schulen schleicht. Wobei es mir als Regisseur in diesem Fall nicht um eine konkrete Verortung geht. Das Stück spielt zwar in Schweden, ist aber universell.

Ihre Inszenierung hatte in St. Pölten Premiere. Wie waren die Reaktionen?
Die Premiere in Berlin wird jedenfalls eine andere Erfahrung werden. Hier hat man eine Gesellschaft mit vielen Migranten. Es war schon seltsam in St. Pölten. Ich bin nicht sicher, ob unser Hauptdarsteller Jerry Hoffmann der erste Schwarze war, den sie zu Gesicht bekommen haben. (lacht)

Interview: Patrick Wildermann

Foto: Ute Langkafel / MAIFOTO

Ich rufe meine Brüder Ballhaus Naunynstraße, 28.11., 30.11., 1.–4.12., 20 Uhr, Karten-Tel. 75 45 37 25

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