Performance

Miet Warlop im HAU

Das HAU zeigt in einer Werkschau Arbeiten der großartigen Belgierin Miet Warlop – zwischen absurdem Theater und erlesenen Tableaux VivantsFoto: Reinout Hiel

Derzeit gilt es rund um den Rosa-Luxemburg-Platz ja als große Neuigkeit, dass es zwischen Theater und Bildender Kunst den einen oder anderen Berührungspunkt gibt. Am HAU ist man da schon etwas weiter. Das Crossover der Künste ist seit Gründung des Theaters Programm.

Jetzt widmet das HAU der belgischen Künstlerin Miet Warlop begleitend zur Berlin Art Week 2017 eine Werkschau. Warlop entwickelt Performances zwischen absurdem Theater und erlesenen Tableaux Vivants. Und weil die Bilder auch aus ihrer eigenen Zerstörung bestehen können und nicht durch Fixierung stillgestellt werden, ist „die Erschaffung und Zerstörung wider alle ökonomische Vernunft für Warlops Schaffen zentral“, wie die HAU-Presestelle im schönsten Dramaturgendeutsch meldet.
Herr Goethe hätte das knapper und sarkastischer gesagt: Alles, was entsteht, ist wert, dass es zugrunde geht – erst recht auf der Bühne. Am HAU ist Miet Warlop eine alte Bekannte, erstmals war sie hier im November 2012 zu Beginn der Intendanz Annemie Vanackerens zu Gast.

In der Performance „Mystery Magnet“ variiert sie das Motiv des Entstehens und Vergehens, der Produktion und des Verfalls mit surrealistischen Figuren auf die Bühne, die sich selbst auslöschen. Dabei lässt sie es szenisch ordentlich krachen: Nebelschwaden, knallige Farben, Schaumwürste, Mini-Trucks, laufende Hosen, menschliche Wollknäuel und ein Chor von Trockenhauben zählen zu den stücktragenden Protagonisten. Ihre Psychodelia-Show „Fruits of Labor” ist eine Mischung aus Performance, Konzert und Bildender Kunst. Dafür, dass es eine Art Zentrum des Geschehens gibt, ist ein sich ständig wandelnder, überdimensionierter weißer Kubus zuständig.

Das dritte Werk der Werkschau, „Dragging the Bone“, ein Solo der Performerin, bietet lebende Skulpturen und animierte Objekten auf – etwa die Bronzeleber von Piacenza, das antike Modell einer Schafsleber, das etruskischen Priestern beim Orakeln helfen sollte. Bezweifelt noch jemand, dass das Theater an seinen guten Abenden ein heiteres, rätselhaftes Paralleluniversum ist?

Do 14.9., 20 Uhr + Sa 16.9., 19 Uhr („Dragging the Bone“, HAU 3);
Fr 15.9., 20 Uhr + Sa 16.9., 16.30 Uhr („Mystery Magnet“, HAU 2);
Sa 16.9, 21 Uhr („Fruits of Labor“, HAU 1)

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