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Mina Salehpour inszeniert ?“? [ungefähr gleich]“

Mina Salehpour inszeniert ?

Der Titel des neuen Stücks des schwedischen Dramatikers Jonas Hassen Khemir spielt mit lustigen Zeichen und führt natürlich in die Irre: “ ? [ungefähr gleich]“ heißt das Stück, in dem einige nicht mehr ganz junge Leute in einer beliebigen westeuropäischen Großstadt mit  wenig Geld, unklaren bis nicht vorhandenen Perspektiven und Resten von Trotz oder hoffnungslosen Lebensträumen irgendwie versuchen, über die Runden zukommen. Ungefähr gleich ist in der Gesellschaft, in der sie leben, natürlich gar nichts, im Gegenteil. Die sehr klaren, harten und präzisen Grenzlinien sozialer Differenz und Ungleichheit prägen so ziemlich alles, inklusive der kaum vorhandenen Chancen der Figuren: Ein Bettler, eine sympathische Frau, die entlassen wurde und ihre Konkurrentin in einem Akt der Selbsthilfe einfach vor ein Auto stößt, die Kiosk-Verkäuferin, die vom eigenen Bio-Bauernhof träumt, ihr Freund, der als Wirtschaftshistoriker Karriere machen will, um das System von innen zu bekämpfen, aber dann reicht es weder zur Systemkritik noch zur Festanstellung, sondern nur zur Beziehungskrise.
Die junge Regisseurin Mina Salehpour (der wir hier schon mal eine große Karriere prophezeien) und ihr wunderbar spielfreudiges, gut gelauntes, charmantes Ensemble (Iris Becher, Alina Stiegler, Bernardo Arias Porras und Renato Schuch) machen in Anzügen aus Geldscheinen und mit Goldflitter daraus einen melancholisch-komischen, krampffreien und vitalen 90-Minuten-Abend.   

Text: Peter Laudenbach

Foto: Gianmarco Bresadola

Schaubühne Studio Di 8.3. 20 Uhr, Do 10., Fr 11.3. 19.30 Uhr, Eintritt 15 Euro

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