Theater

Monologfestival im Theater­discounter

MonologfestivalMonologe“, sagt Heike Pelchen, „sind die Keimzelle des Theaters.“ Sie kuratiert zusammen mit Michael Müller im Theaterdiscounter das zweite Uraufführungs-Festival mit Einpersonen-Stücken. In diesem Jahr unter dem von Nietzsche und Lenin geborgten Titel „Jenseits von Gut und Böse. Was tun?“
Die beiden Kuratoren haben gezielt Kollektive aufgefordert, sich in die Einstimmigkeit zu begeben. Die Diskurs-Recken von andcompany&Co zum Beispiel, die als erprobte Dialektiker in „out of the dark into the night“ historische Projekte wie den guten alten Kommunismus auf beste Absichten und Realisierungshorror abklopfen. Genaueres weiß die Kuratorin freilich selbst nicht, die Arbeiten entstehen sämtlich in nur zwei, drei Probenwochen vor dem Festival.

Die Münchner Gruppe Hunger&Seide wird in ihrem Projekt „Ich, unfinished“ mit dem Hauptdarsteller über die Frage aneinandergeraten, ob man sich über Gerechtigkeit in der globalisierten Welt oder lieber über den persönlichen Spielraum Gedanken machen sollte. Das Kollektiv bigNotwendigkeit reibt sich in „wir sagen“ mit Judith Butler an der nicht unbedingt neuen Frage nach Eigenverantwortung. Der Regisseur Christian Valerius erklärt im „Superpositionsprinzip“ das Theater versuchsweise zur moralfreien Zone.

In besonders zwiespältige Gewissens-Gefilde führt die Arbeit von Milo Rau. Der Schweizer, der mit „Hate Radio“ zum letzten Theatertreffen eingeladen war, inszeniert mit der Schauspielerin Sascha Soydan das Reenactment der Verteidigungsrede des rechtsradikalen Massenmörders Anders Breivik vor dem Osloer Gericht.
Klar haben sich auch die Festival-Kuratoren die Frage gestellt, ob man diesen Tiraden – die der Öffentlichkeit bis dato nicht zugänglich waren und die auch Milo Rau nur aus den Aufzeichnungen eines norwegischen Reporters kennt – ein Forum bieten soll. Aber Pelchen ist davon überzeugt, dass man den Text „entdramatisieren und entdämonisieren“ muss. Um sich mit dessen kruder Stringenz auseinanderzusetzen, die in vielen Punkten  „rechtskonservativer Konsens“ sei. „Auch Breivik“, so Pelchen, „argumentiert moralisch.“                                                                           

Text: Patrick Wildermann
Foto: Cecilia-Glaesker

Monologfestival 2012
im Theaterdiscounter,
Do 18.–So 28.10.,
Karten-Tel. 28 09 30 62

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