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„Mord an Mozart“ an der Staatsoper

Die Falschmeldung, dass Mozart von Antonio Salieri ermordet wurde, hat nicht erst Milos Formans „Amadeus“ in die Welt gesetzt. Schon Alexander Puschkin vertrat in seinem Versdrama „Mozart und Salieri“ (1830) dieselbe These. Woraus dann Rimski-Korsakov einen lustigen kleinen Einakter machte, welcher die Frage, ob das Genie töten darf, genial offen lässt. Denn das Genie Mozart verübt hier gerade keinen Mord. Sondern wird ermordet.
Regisseuren von heute reicht das nicht. Elisabeth Stöppler bläst in „Mord an Mozart“ Rimskis 40-Minüter auf mehr als das Doppelte auf, indem sie Literatur und Kammermusik, etwas „Dosto“ und etwas „Schosto“, mit beibindet. Zudem einen Briefwechsel zwischen Einstein und Freud – über Krieg. Schrecklich gut gemeint und heillos überfrachtet ist dieser trotzdem kurzweilige Abend.
Roman Trekel (Salieri) fehlt es an Bass-Schwärze. Stattdessen verfügt er über beneidenswerte Bühnenpräsenz – mehr als fast jeder andere Operndarsteller heute. Stephan Rügamer als Mozart klingt etwas zu sehr nach Wagner. Dafür – auf Deutsch singend – sehr textverständlich. Dem in Berlin verbliebenen Rest der Staatskapelle (die andern sind auf Asientournee) würde mehr russische Schwermut guttun.
Angela Winkler, die große, rustikal Naive des deutschprachigen Theaters, kann kleinere Zweifel an dem ganzen Treiben nicht verhehlen. Sogar beim „Großinquisitor“-Kapitel aus den „Brüdern Karamasow“, woraus sie Auszüge vorträgt – und das ziemlich an den Haaren herbeigezogen wirkt. Halbgare Sache! Aber ratzfatz vorbei.   

Text: Kai-Luehrs-Kaiser

Foto: Vincent Stefan

Staatsoper Sa 13.2., 19.30 Uhr, Karten-Tel. 20 35 45 55

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