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Musik von CocoRosie bei Robert Wilsons „Peter Pan“

CocorosieEigentlich wollten Bianca und Sierra Casady, wie die Musikerinnen des Freakfolk-Duos CocoRosie mit bürgerlichem Namen heißen, gerade Songs für ihr nächstes Album schreiben, als sich das Theater in das Leben der New Yorker Schwestern mischte. Bianca, die jüngere des Duos, erzählt, dass das donaufestival Krems ein Performance-Stück bei ihr in Auftrag gegeben hat. Wenig später folgte die Anfrage eines Großstars des Welttheaters: Robert Wilson wollte für seine „Peter Pan“-Inszenierung am Berliner Ensemble gerne Musik von CocoRosie.

Wilson war schon immer gut darin, sein kühl stilisiertes Theater mit der Musik amerikanischer Songschreiber zu unterlegen. Rufus Wainwright sorgte 2009 am BE bei Wilsons Inszenierung von „Shakespeares Sonette“ für den Soundtrack. Lou Reed steuerte 2011 die gewohnt düstere Musik zu „Lulu“ bei. Tom Waits bescherte Wilson bei „Woyzeck“, „Alice“ und seiner Version des Freischütz („The Black Rider“) legendäre Erfolge: Postmodernes Bildtheater goes Vaudeville. Und New Yorks Indie-Crooner Antony Hegarty sang für Wilsons Künstlerporträt „The Life and Death of Marina Abramovic“. Für „Peter Pan“ wünschte sich der Regisseur Musik von Hegartys alten Freundinnen CocoRosie, die in der Indie-Pop-Welt einst die Welle des Freak- und Queer-Folk anführten.

Auf den Platten der in New York und Paris lebenden Frauen wimmelt es von Wesen, die direkt aus gruseligen Märchen entstiegen sein könnten: Einhörner, Werwölfe, sprechende Monde und Krähen. Das Album „The Adventures of Ghosthorse And Stillborn“ von 2007 drehte sich um Erinnerungen und Traumata der Zeit als kleine Mädchen. Von ihrem jüngsten Album „Grey Oceans“ blicken die beiden mit angeklebten Bärten unter gnomenhaften blauen Filzkappen hervor. Das Kindheitsthema prägt auch die organische, immer leicht lädiert wirkende Klangwelt des Duos, von Biancas grellem Gesang bis zum Instrumentenspektrum, das wie eine Mischung aus Carl Orffs Klang­arsenal und Flohmarktfundstücken wirkt: Kinderklavier, Casio-­Keyboard, Flöten, Muschelketten, Harfe.

Peter_PanAls Robert Wilson den beiden die Geschichte von dem Jungen antrug, der nicht erwachsen werden will und die Kinder der braven Familie Darling in sein rauschhaftes Nimmerland entführt, waren die Casadys entzückt. Zwar kannten die beiden Theater-Neulinge die Arbeit des berühmten Alt-Avantgardisten Wilson nicht, aber der Stoff klang perfekt. „Die Geschichte, die Welt, die darin ausgemalt wird, erinnert uns an unsere eigenen Figuren“, erzählt Bianca während einer Probenpause leise und unter der Kapuze ihres Streifenpullis verborgen, während ihre ältere Schwester die Probe nicht verlassen mag.
Die Kindheit, das Reich Peter Pans, sieht Bianca als einen Schlüssel zu ihrer eigenen Musik: „Sie ist ein reicher Ort, um dorthin zurück­zukehren. Gleichzeitig ist sie für mich ein unheimliches, dunkles Gebiet, um dort herumzugraben. ‚Peter Pan‘ hat diese dunklen Untertöne. Die Hauptfigur beispielsweise ist sonderbar leer. Vielleicht ist sie ein Geist und gar nicht lebendig, vielleicht sind auch die Lost Boys Geister verstorbener Kinder.“

Bianca Casady ist sich sicher, dass Robert Wilsons klinisch kühle Szenenbilder und der „aus Intuition und teils Chaos“ geborene CocoRosie-Stil zusammenpassen: „Wir arbeiten ähnlich, wir entwickeln unsere Arbeiten aus Improvisation und Spontaneität heraus. Auch wenn man das Roberts Theater nicht ansehen mag: Die Improvisation steht am Anfang.“
Wenn Wilsons Nimmerland nun am Berliner Ensemble die Bühne füllt, werden CocoRosie schon wieder weitergezogen sein, dann promoten sie ihre neue Platte, die sie in der probenfreien Zeit im Dezember rasch einspielten. Schade eigentlich. Wo die fabelhaften Schwestern doch gut ins Personal auf der Bühne passen würden: als Bewohnerinnen des grausam schönen Eilands, auf dem Kinder Piraten töten oder fliegen können. 

Text: Ulrike Rechel
Fotos: TouchAndGoRecords, Lucie Jansch


Peter Pan: Termine

Berliner Ensemble,
z.B. am Mi 17.4.  – Fr 19.4., 19.30 Uhr, So 21.4., 16 Uhr, Mo 22.4.,19 Uhr,
Kartentelefon: 28 40 81 55

 

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