Theater

„Nach Hause“ in den Sophiensaelen

Nach Hause 1Gegen Ende des 19. Jahrhunderts fantasierten Wissenschaftler und Abenteurer unterschiedlichster Couleur davon, den Nordpol zu erreichen. Der schwedische Ingenieur Salomon August Andrйe versuchte es 1897 mit einem Gasballon. 33 Jahre später entdeckten Robbenfänger die tief gefrorenen Leichen, Tagebuch-Aufzeichnungen und Filme im Eis.
Nachdem Ballonabsturz wanderten die drei Männer zwölf Wochen durch das Eis und ernährten sich von erschossenen Eisbären, Robben und Vögeln. „Nach Hause 7.05 vormittags“ lautet der letzte, rätselhafte Tagebucheintrag. „Nach Hause“ heißt auch das Tanzstück des Choreografen Martin Nachbar und des Komponisten Benjamin Schweitzer über die gescheiterte Nordpol-Reise, die jetzt in den Sophiensaelen zu sehen ist. Nachbar und Schweitzer sind selbst akribische Forscher. Zumindest erweckten sie in ihrer letzten gemeinsamen Arbeit „Anordnen/Verschieben“ diesen Eindruck.
Die Andrйe-Expedition bietet ihnen nun reichlich Material, um über all diese Phänomene zu sinnieren. Über Expeditionen, Forschergeist, Entdeckungslust und auch die anhaltende Faszination daran. Nach dem Leichenfund der Robbenfänger wurde der Unglücksort kriminalistisch untersucht. Die Sache war ein Medienereignis ersten Ranges. Noch heute gibt es ein Museum in Gränna, die zerfallenen Bretter und zerborstenen Keramikbehälter für das Ballongas sind mittlerweile zu Kulturdenkmälern erklärt. Und auch die Todesursache hat man herausgefunden. Die drei sind nicht an Kälte oder Unterernährung, sie sind an Fadenwürmern gestorben.

Text: Michaela Schlagenwerth
Foto: Georg Doecker


Termine: Nach Hause?

Sophiensaele, 7.-9., 12., 13.10. jeweils 20.30 Uhr,
Karten unter 283 52 66

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