Theater

„Neither“ im Radialsystem

Neither_c_VitoschaKoenigsMorton Feldmans „Neither“ ist die Vertonung eines kurzen Textes von Samuel Beckett, eine etwa fünfzigminütige Komposition für Sopranstimme und Kammerorchester. Die Berliner Künstlergruppe phase7 performing arts nennt ihre Interpretation des Werkes eine „3-D-Audio-Oper für virtuelles Orchester und Sopran“. Zur Entstehung des Stückes überlieferte Feldman selbst eine launige Anekdote. Es war 1976 im damaligen Westberlin. Im Schiller Theater wohnt Beckett den Proben zur Inszenierung seiner Kurzstücke „Footfalls“ und „That Time“ bei. Feldman schaut auch mal herein. Er bittet Beckett um einen Text, zu dem er etwas komponieren könnte. Beckett ist wie gewohnt skeptisch.

„Mr. Feldman, ich mag die Oper nicht.“ „Das kann ich Ihnen nicht verübeln“, antwortet Feldman. „Ich mag es auch nicht, wenn meine Texte vertont werden.“ „Auch darin stimme ich mit Ihnen völlig überein. Tatsächlich habe ich selbst nur selten Worte benutzt. Ich habe schon jede Menge Stücke für Gesangsstimme geschrieben, und sie sind alle ohne Worte.“ „Aber was wollen Sie dann?“ „Ich habe nicht die geringste Ahnung.“ Beckett schickte Feldman später eine Postkarte mit 87 Worten in 12 Zeilen mit eigenwilliger Interpunktion, der Text von „Neither“. Im Konzept von phase7 wird nun das Kammerorchester durch ein virtuelles Orchester, das heißt im Prinzip durch Lautsprechergerüste ersetzt. Verwendet wird die Klangübertragungstechnik der Wellenfeldsynthese. Die Sopranstimme gehört der norwegischen Sängerin Eir Inderhaug, von aufwendiger Lichtregie ausgeleuchtet. Avisiert ist ein Effekt des Schwirrens.

Text: Andreas Hahn

Foto: Vitoschka Königs

Neither Radialsystem V, Do 12.–Sa 15.7., 20 Uhr, Karten-Tel. 288 788 588

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