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Neue Stücke: „Continu“ und „Metamorphoses“ in Berlin

Sasha_Waltz.Das hat man oft, aber so noch nie gesehen: Eine Frau und ein Mann in einer vollkommenen Symbiose der Künste. Die sich lieben, hassen, aneinanderklammern, wegstoßen. Singen, spielen und tanzen. Adam und Eva, Orpheus und Eurydike – in der größten, traurigsten Love Story von allen. Frankreichs meistgespielter zeitgenössischer Komponist Pascal Dusapin hatte Sasha Waltz gebeten, seine Oper „Passion“ zu inszenieren. Am Ende steht Sasha Waltz am Premierenabend stolz und still, angespannt aber auch zufrieden auf der berühmten Bühne des Pariser Thйatre des Champs-Йlysйes. Der neue Direktor hat dort Großes vor. Unter anderem auch eine Hommage an die Uraufführung des „Sacre de Printemps“, der hier 1913 als Saalschlacht ein Triumph der Moderne wurde. Man will Nijinskys Urversion zeigen, natürlich auch die Fassungen von Bйjart und Pina Bausch. Und man möchte einen neuen „Sacre“ von Sasha Waltz.

Sasha Waltz verbeugt sich, nimmt den verdienten Applaus für „Passion“ entgegen. Für Tanzbilder, die antikisch und modern sind, dabei unfassbar schön. Sie trägt goldene Louboutin-Pumps und eine asymmetrisch schwarz geschnittene Kreation von Hussein Chalayan, der auch für die aufregenden Kostümbilder vom seidig fließenden Negligй über seltsame Uniformen mit Stehkragen, birnenförmige Tülltonnen und das spektakuläre Luftballonkleid verantwortlich war, das sich im letzten Bild von seiner Trägerin löst und einfach nach oben wegfliegt. Vor zwölf Jahren stand die jetzt 47-jährige Sasha Waltz noch in unaufgeregtem Berlin-Mitte-Schick mit Turnschuhen in den abblätternden Sophiensaelen. Seither ist viel passiert. Sie wurde weltweit zur deutschen Kulturbotschafterin, sie hat die Schaubühne mitregiert und sich mit ihrer multinationalen Truppe Sasha Waltz & Guests immer neue, größere Räume tanzend erobert. Gemeinsam mit Jochen Sandig und Folkert Uhde hat sie das Radialsystem eröffnet, leere Museen in Berlin und Rom bespielt und sich der Oper angenähert.

ContinuSie hat jetzt sogar, gemeinsam mit Milla & Partner, mit ihrer bespielbaren Stahlschalenskulptur, dem wippenden „Bürger in Bewegung“, als eine von drei Siegern den Wettbewerb um das Denkmal zur deutschen Einheit gewonnen. Sasha Waltz ist Berlins Exportartikel Nummer eins in Bewegung. Jede spektakuläre Architekturneueröffnung will sie als Einspielerin haben, jedes große Festival buhlt um sie, die Opernhäuser bieten ihr einen Wagner nach dem anderen an. Sie wird im Mai 2011 in Brüssel „Matsukaze“, die neue Oper von Toshio Hosokawa uraufführen, dessen letzte hatte die belgische Tanzikone Anne Teresa de Keersmaeker aus der Taufe gehoben. Waltz denkt über eine Tanzfassung von Ravels Pastorale „Daphnis und Chloe“ nach, wird 2012 ihren Pariser Erfolg mit Berlioz’ dramatischer Sinfonie „Romйo et Juliette“ dort wiederaufnehmen und dann an die Deutsche Oper transferieren. Und sie träumt immer noch von „Carmen“, dem Opernprojekt, dass John Eliot Gardiner mit ihr nicht realisieren wollte.

Gerade gastiert die Truppe mit der pessimistisch-düsteren Schaubühnen-Produktion „Gezeiten“ in New York. Und auch dort sind die Reaktionen hymnisch. Nur in Deutschland stänkert man immer noch, „zu schön“, „zu glatt“, „zu ästhetisch“. Hier muss zeitgenössischer Tanz eben hässlich und verkopft sein. In der großen Welt aber ist Sasha Waltz gefragt, nicht zuletzt, weil sie über ein vielgestaltiges Repertoire verfügt, weil sie es geschafft hat, eine wunderbare Tänzertruppe zu entwickeln und zu erhalten. Trotzdem muss sie um jeden Euro Subvention kämpfen. Ihre Compagnie bekommt eine nicht allzu üppige finanzielle Grundaustattung von der Stadt und vom Hauptstadtkulturfonds des Bundes. Die Berliner Festspiele kooperieren mit ihr auf regelmäßiger Basis im Rahmen der pielzeituropa“. Nach diversen Wiederaufnahmen kommt es dort bei der Spielzeit Europa jetzt mit dem Gastspiel „Continu“ zur ersten Novität …

Den gesamten Artikel von Manuel Brug
lesen sie in der aktuellen tip-Ausgabe 24/2010.

Termine:

Continu
Haus der Berliner Festspiele, Do 11. –
So 14.11., 20 Uhr, Karten: 25 48 91 00

Metamorphoses
Radialsystem, Fr 19., So 21.11., 20 Uhr,
Sa 20.11., 19 Uhr, Karten: 288 78 85 88

Foto: Sebastian Bolesch, Andrй Rival

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