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Kommentar

„Neues vom Kultur­management“ von Peter Laudenbach

Die Berliner Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch hat einen neuen Rektor gewählt – und der Neue ist ein alter Berliner Bekannter: Holger Zebu Kluth

Peter Laudenbach

Diese Wahl ist zumindest originell. In den letzten 13 Jahren leitete Kluth die Hamburger Kammerspiele, ein kommerzielles Unterhaltungstheater. Seine Karriere als Kulturmanager begann in den 1990er Jahren als Pressesprecher des alten Hebbel Theaters, das heutige HAU 1. 1995 zählte er zu den Mitgründern der Sophiensaele, 1996 bis 2001 leitete er nicht ohne Erfolg das Theater am Halleschen Ufer, heute das HAU 2. Damit steht Kluth für zwei Theaterrichtungen: die Performance-Künste der 1990er-Jahre und pflegeleichtes Entertainment. Beide sind dem an der Ernst Busch-Hochschule gepflegten Theaterverständnis eher fern.
Die berühmteste Theaterhochschule des Landes, aus der Schauspieler wie Corinna Harfouch, Nina Hoss oder Lars Eidinger und Regisseure wie Thomas Ostermeier hervorgingen, steht für ein politisch interessiertes, psychologisch-realistisches Theater, für die Kunst, Rollen in ihrer Komplexität zu erkunden, für das Interesse an den historischen Echoräumen des Theaters von Aischylos bis Müller, für die Ausbildung zur differenzierten, widerspruchsreichen  Menschendarstellung – lauter Fähigkeiten, die in Kluths bisherigen Tätigkeitsfeldern nur begrenzt gefragt waren. Kluths Vorgänger, der seit 2005 amtierende Rektor Wolfgang Engler, ist ein renommierter Soziologe; dessen Vorgänger, der Dramaturg Klaus Völker, ein bedeutender Theaterhistoriker. Nach diesen hoch reflektierten Intellektuellen zieht mit Kluth jetzt ein Kulturmanager in die Hochschule ein.

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