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„Neues von ?Dercon“ von Peter Laudenbach

Peter Laudenbach
Chris Dercon entwickelt nach seiner Ernennung zum Castorf-Nachfolger an der Volksbühne rege Aktivitäten. So soll er die Regisseure Herbert Fritsch und Renй Pollesch energisch als künftige Haus-Regisseure umworben haben. Pollesch unter anderem mit dem heiteren Versprechen, er, Dercon, werde Pollesch „weltberühmt“ machen. So geht es zu auf dem Basar. Kleine Rache der Volksbühne: Sie druckte das peinliche Versprechen ganzseitig und kommentarlos auf ihr Monats­leporello.
Auch von Alexander Kluge, der Dercon als „Berater“ unterstützen möchte, erfährt man, wie seine Mitarbeit an der neuen Dercon-Volksbühne aussehen könnte. Zum Beispiel so, dass er seine Verfilmungen von Castorf-Inszenierungen zeigt, wie Kluge in einem Interview erklärt. Castorf aus dem Theater zu werfen, das er erfunden hat, und dann dort seine abgefilmten Inszenierungen zeigen zu wollen, ist absurd. Dass Dercon mit Fritsch und Pollesch zwei Regisseure umwirbt, die die Volksbühne seit Jahren prägen, macht die feindliche Übernahme nicht eleganter. Castorf, Fritsch, Pollesch brauchen keinen Dercon, um an der Volksbühne (oder an anderen Berliner Theatern) zu inszenieren.
Offenbar hat Chris Dercon im Kunstbetrieb gelernt, dass man alles kaufen kann. An der Volksbühne wird er lernen, wer unverkäuflich ist. Bert Neumann zum Beispiel.

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